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	<description>Die Wühlkiste - nicht nur für Eingeborene</description>
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		<title>Die virtuelle Kneipe</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Apr 2012 19:48:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Netz]]></category>
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		<description><![CDATA[Als Journalist, egal welchen Alters,  sollte man sich weder vom Kauderwelsch der Experten noch von den zahlreichen &#8220;Das-böse-Internet&#8221;-Artikeln abhalten lassen, ins Netz zu gehen. Wer es nicht tut, verpasst mindestens eine zeitgemäße Recherche-Chance. Dafür habe ich in einer Diskussionsrunde auf dem Verbandstag des DJV Thüringen in Suhl geworben. Und für alle, die nicht dabei waren, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><a href="http://blog-arnscht.de/2012/04/die-virtuelle-kneipe/image/" rel="attachment wp-att-2341"><img class="alignleft size-medium wp-image-2341" title="Einer der Tweets vom Verbandstag. Es wurden immer mehr..." src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/04/image-150x125.jpg" alt="Einer der Tweets vom Verbandstag. Es wurden immer mehr..." width="150" height="125" /></a>Als Journalist, egal welchen Alters,  sollte man sich weder vom Kauderwelsch der Experten noch von den zahlreichen &#8220;Das-böse-Internet&#8221;-Artikeln abhalten lassen, ins Netz zu gehen. Wer es nicht tut, verpasst mindestens eine zeitgemäße Recherche-Chance. Dafür habe ich in einer Diskussionsrunde auf dem Verbandstag des DJV Thüringen in Suhl geworben. Und für alle, die nicht dabei waren, hier noch einmal mein Thesen.</div>
<p><span id="more-2340"></span><br />
Dieser Beitrag ist ein Widerspruch an sich. Er steht in meinem Blog und wendet sich aber an Leute, die Blogs gar nicht kennen oder für Teufelszeug halten. An Journalistenkollegen, die vielleicht ab und zu noch mal googlen, aber sich ansonsten dem Netz tapfer verweigern, weil sie meinen, die reale Welt sei doch schon vielfältig genug. Das stimmt zwar, aber ich kann nur sagen: Leute, Ihr verpasst was.</p>
<p>Denn als Lokaljournalist muss man dahin gehen, wo die Leute Geschichten erzählen.</p>
<p>Das ist vorzugsweise die Kneipe, wo man viel Unsinn hört, viele Vorteile bestätigt kommt, aber auch manchmal eine gute Story  erfährt.</p>
<p>Genau so ist es mit dem Internet. Da hört und liest man auch viel krudes Zeugs. Aber die Aufgabe eines Journalisten ist es schließlich, aus all den wahren oder erfundenen Geschichten das herauszufiltern, das sich lohnt, weitererzählt zu werden. Daran hat sich durch das Netz überhaupt nichts geändert.</p>
<p>Geändert hat sich auch nichts daran, dass sich manche Leute als etwas anderes ausgeben als sie sind. Pseudonyme gab es zu allen Zeiten, auch in der Literatur. Ich fand B. Traven spannend. Hätte ich ihn ignorieren sollen, nur weil ich seinen &#8220;Klarnamen&#8221; nicht kannte?  Und auch anonyme Zuschriften gab es schon immer. Auch in dieser Hinsicht bietet  das Netz also gar nichts Neues.</p>
<p>Was neu ist: Man trifft mittlerweile mehr Leute aus der Region im Netz als in der Kneipe. Und deshalb verpasst jeder Journalist eine Chance, wenn er es nicht nutzt. Ich gehe weiter in die Kneipe, wenn Zeit ist. Aber zwischendurch besuche ich auch andere Treffpunkte.</p>
<p>Derer gibt es viele im Netz. Und wie verschiedene Leute verschiedene Lieblingskneipen haben, ist es auch virtuell Geschmackssache, wo man sich rumtreibt.  Wer  mehr der Zuhör-Typ als der Dampfplauderer ist, sollte mal bei Twitter vorbeischauen. Dort kann man jedem zuhören, der auch bei Twitter ist. Für Recherchezwecke ideal. Ich habe mir zum Beispiel eine Suche zusammengebastelt, die alle Orte meiner Umgebung enthält. Da ist dann zwar auch dabei, dass in Siegelbach jemand einen Hund verkaufen möchte, aber auch die Feuerwehrversammlung in einem kleinen Ort, von der ich vorher nichts wusste. Schon manche meiner Geschichten haben mit einer Twitter-Recherche begonnen.</p>
<p>Facebook ist eine andere Quasselbude, wohl die größte derzeit. Und es gibt noch viele andere. Google+, Bing und wie sie alle heißen. Reinschnuppern lohnt sich für Journalisten immer, wie intensiv man die einzelnen Netzwerke nutzt, steht auf einem anderen Blatt. Es geht ja auch keiner jeden Abend in alle Kneipen der Stadt, schon aus alkoholischen Gründen. Aber wenn eine neue aufmacht, schaut man interessehalber schon mal vorbei. So halte ichs auch mit sozialen Netzwerken.</p>
<p>Die Ausrede, das seien doch möglicherweise alles Eintagsfliegen, ist keine. Natürlich entwickelt sich die Szene weiter. Und natürlich sind manche Hypes wie StudiVZ schon wieder fast verschwunden. Was sich auf Dauer durchsetzt, weiß derzeit keiner. Aber ein Journalist, der deshalb von vornherein alle neuen Informationsangebote ignoriert, hat seine wichtigste Tugend eingebüßt: die Neugier.</p>
<p>Und nun zum letzten Argument: Das Internet ist gefährlich, hört man doch jeden Tag. Das stimmt unbedingt. Aber keine Angst: So gefährlich wie Autofahren ist ein Facebook-Account nicht. Und ich verpflichte mich hiermit, in jedem Blog auf die Gefahren des Aufenthaltes im Netz hinzuweisen, sobald meine werten Kollegen Autojournalisten jeden Sportwagen-Test mit dem Hinweis auf die Verkehrstoten aus der jüngsten Unfallstatistik beginnen.</p>
<p>Die Welt zerfällt nicht in einen realen und einen virtuellen Teil. Es gibt nur eine Welt. Und Journalisten sollten sie mit Neugier erforschen. Und ins Netz genau so freudig einsteigen wie in ihr Auto.</p>
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		<title>Neue Wege im Jonastal gesucht</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Mar 2012 20:35:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arnstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Jonastal]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Jonastal ist einer der interessantesten Gegenden der Region. Es weckt Begehrlichkeiten bei Raubgräbern, zieht gehirnkranke Naziverehrer an, aber auch Naturfreunde auf der Suche nach seltenen Tieren und Pflanzen. Gestörte Motocrossfahrer ruinieren regelmäßig die Muschelkalkhänge und es gibt schwierige Besitzverhältnisse. Und mittendrin müht sich ein Verein, abseits von kruden Verschwörungstheorien die Wahrheit zu erforschen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/03/neue-wege-im-jonastal-gesucht/img_3719/" rel="attachment wp-att-2330"><img class="alignleft size-medium wp-image-2330" title="Harald Böhme an einem Exkursionsweg, den der Verein angelegt hat und pflegt" src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/03/IMG_3719-150x107.jpg" alt="Harald Böhme an einem Exkursionsweg, den der Verein angelegt hat und pflegt" width="150" height="107" /></a>Das Jonastal ist einer der interessantesten Gegenden der Region. Es weckt Begehrlichkeiten bei Raubgräbern, zieht gehirnkranke Naziverehrer an, aber auch Naturfreunde auf der Suche nach seltenen Tieren und Pflanzen. Gestörte Motocrossfahrer ruinieren regelmäßig die Muschelkalkhänge und es gibt schwierige Besitzverhältnisse. Und mittendrin müht sich ein Verein, abseits von kruden Verschwörungstheorien die Wahrheit zu erforschen und das Gedenken zu bewahren. Eine Sisyphosarbeit im Tal  der Wilden Weiße.<br />
<span id="more-2329"></span><br />
Das Flussbett der Wilden Weiße ist trocken geblieben. Von dem Schnee, der in den Bergen getaut ist, hat kein Schmelzwasser den Weg durch das Jonastal genommen. Doch der »Frühjahrsputz« des Jonastal-Vereins auf den Wegen entlang der geschichtsträchtigen Route ist trotzdem in diesem Jahr besonders aufwendig. Sonst konnte man sich nach dem Winter darauf beschränken, die Durchgänge frei zu schneiden und hier und da ein Geländer neu zu befestigen.</p>
<p>Doch diesmal geht es darum, ganz neue Wege durch das Tal zu erschließen. Denn einige, auf denen früher die interessierten Besucher geführt wurden, sind nun gar nicht mehr nutzbar. Zumindest vorläufig.</p>
<p>»Es ist eben eine Gegend, wo viele etwas zu sagen haben«, sagt Johannes Alt, der Vorsitzende des Vereins, der sich offiziell Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal« nennt. Der Truppenübungsplatz der Bundeswehr reicht bis ins Tal hinein, die anderen Grundstücke gehören zum Teil den Gemeinden ringsum und Privatpersonen.</p>
<p>Das Bergamt ist für die Stollen zuständig und der Naturschutz für die vielen seltenen Tiere und Pflanzen in dem geschützten Gebiet. Mittendrin versuchen die Vereinsmitglieder den schwierigen Spagat zwischen Erinnerung an die Tausende von Häftlingen, die bei den Arbeiten ums Leben gekommen sind und der Erforschung dessen, was die Nazis dort in den Stollen tatsächlich vorhatten oder realisierten.</p>
<p>Dazu gibt es ein Dokumentationszentrum im historischen Bahnbetriebswerk in Arnstadt, aber ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit sind die Exkursionen ins Jonastal selbst, zu den Überresten der Anlagen und Stollen. Harald Böhme ist zwar im November aus Altergründen aus dem Vereinsvorstand ausgeschieden, aber durch das Tal will er auch weiter führen. Entlang der vom Verein angelegten und gepflegten Wege, die mit farbigen Dreiecken gekennzeichnet sind, wie sie die Häftlinge damals tragen mussten.</p>
<p>Doch einige davon befinden sich in bedauernswertem Zustand. Bei der Holzernte wurden nicht nur Markierungen und Befestigungen beschädigt, zum Teil sind die Wege gar nicht mehr begehbar. Es gibt zwar Pachtverträge mit dem Besitzer, aber im Augenblick besteht der Kontakt nur aus schriftlichen Stellungnahmen. Das Verhältnis ist kühl.</p>
<p>Das war nicht immer so. Der jetzige Besitzer der Flächen war früher sogar Vereinsmitglied, der Kauf sollte die Arbeit des Vereins unterstützen. Doch dann kam es zu Meinungsverschiedenheiten und zum Austritt aus dem Verein. Mittlerweile wird kaum noch miteinander geredet. »Wir wissen nicht, ob der Besitzer die Wege wieder instandsetzen will und wie es weitergeht«, sagt Vereinschef Johannes Alt.</p>
<p>Und es gibt auch noch ein anderes Problem. Wegen der Steinschlaggefahr von den Muschelkalk-Hängen hat die Stadt Arnstadt, der die dortigen Flächen gehören, Verbotsschilder aufgestellt. »Wir müssen unserer Sicherungspflicht nachkommen«, sagt Stadtsprecherin Angelika Stiel. Doch durch die jetzt gesperrten Areale führten bisher die gekennzeichneten Exkursionswege.</p>
<p>Deshalb waren am Sonnabend etwa 15 Mitglieder des Jonastalvereins damit beschäftigt, neue Routen durch das Tal zu erschließen. Abseits der Sperrschilder und auch außerhalb des Privatgeländes. Man kann nun nicht mehr ganz so nah an die zugemauerten Stolleneingänge und die vom Verein frei gelegte Kompressoranlage heran. Aber Geschichte erleben  - das soll auch künftig im Jonastal möglich sein. Das hat sich der Verein fest vorgenommen.</p>
<p>Denn die Beschäftigung mit dem Tal will man nicht den Raubgräbern überlassen, die ohne Rücksicht auf die Natur immer wieder zu suchen anfangen. Und auch nicht den Scharen von Motocross-Fahrern, die in den sensiblen Muschelkalk-Hängen des Naturschutzgebiets ihre zerstörerischen Reifenspuren sichtbar hinterlassen.</p>
<p>Das, was hingegen der Verein leistet, ist eine stille, aber nachhaltige Arbeit zur Geschichtsaufarbeitung. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu still. Denn wenn man mehr miteinander redet, lassen sich oft auch gemeinsame Wege finden.</p>
<p>Es wäre schön, wenn endlich alle  zusammenfänden,  die das Jonastal und die Erinnerung an die Opfer bewahren wollen. Und wenn man jene, die nur zerstören und verklären wollen, nicht weiter unbehelligt gewähren ließe.</p>
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		<title>Ungelöste Schlüsselfragen</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Feb 2012 19:53:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arnstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer mal wieder gibt es Sachen in der Kommunalpolitik, die gibts eigentlich gar nicht. Zum Beispiel neun niegelnagelneue Fahrradboxen in einem mit viel Aufwand sanierten Stück Innenstadt von Arnstadt, die aber seit anderhalb Jahren leider niemand benutzen kann. Denn die Boxen stehen zwar stolz da, aber man hat die Sache mit der Benutzung leider nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/ungeloste-schlusselfragen/img_3103/" rel="attachment wp-att-2312"><img class="alignleft size-medium wp-image-2312" title="Alles bestens. Nur leider - es geht nicht." src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_3103-133x150.jpg" alt="Alles bestens. Nur leider - es geht nicht." width="133" height="150" /></a>Immer mal wieder gibt es Sachen in der Kommunalpolitik, die gibts eigentlich gar nicht. Zum Beispiel neun niegelnagelneue Fahrradboxen in einem mit viel Aufwand sanierten Stück Innenstadt von Arnstadt, die aber seit anderhalb Jahren leider niemand benutzen kann. Denn die Boxen stehen zwar stolz da, aber man hat die Sache mit der Benutzung leider nicht zuende gedacht. Nach einer Lösung wird gesucht, wobei hier bewusst auf die Benutzung des Attributs  &#8221;fieberhaft&#8221; verzichtet wird.<br />
<span id="more-2311"></span><br />
Sowas hat es in Arnstadt noch nicht gegeben, war im Jahr 2010 aus dem Rathaus zu hören, als die Sanierung der &#8220;Unteren Marktstraße&#8221; in die Endphase ging. Gemeint waren damit nicht nur die Spieloase oder der Huckauf-Brunnen, die dort neu entstanden sind. Sondern auch die neun Fahrradboxen, in denen Touristen ihre Drahtesel abstellen können, um in Ruhe einen Stadtbummel zu Fuß zu unternehmen. Hinterher steigt man wieder erholt aufs Rad. Soweit die Theorie.</p>
<p>So etwas gibt es schon in anderen Kommunen. Aber Arnstadt, das sich gern noch fahrradfreundlicher geben möchte, nicht. Was es gab und auch noch gibt, sind Aufbewahrungsmöglichkeiten bei &#8220;Zobels Zweiradshop&#8221; in der Zimmerstraße, &#8220;Zweirad Böttner&#8221; imWacholderbaum und &#8220;Autoservice Böhm&#8221; auf dem Wollmarkt. Dort kann man sein Fahrrad unterstellen &#8211; allerdings nur zu den Öffnungszeiten.</p>
<p>Deshalb fanden alle die Sache mit den Fahrradboxen in der Unteren Marktstraße eine gute Idee. Aufgestellt wurden die Boxen im Juni 2010, nach eingehender Beratung, dem Einsatz einer Architektin und, wie man annehmen musste, der Nutzung von Erfahrung anderer Kommunen.  Gut zugänglich und ganz in blau standen sie nun da, neben der ebenfalls neuen Toilettenanlage hinter dem Waffelstübchen.</p>
<p>Man kann sagen, dass die Anlage auch sofort gut angenommen wurde. Das betrifft aber leider nur die Toiletten. Denn die Fahrradboxen hat seither noch niemand benutzen können. Es weiß einfach keiner, wie das gehen soll. Auf eine Anfrage von Rita Bader (Linke) im Bauausschuss des Stadtrates zu den Fahrradboxen musste der Beigeordnete Ulrich Böttcher jedenfalls einräumen, dass die Boxen bisher noch nie in Betrieb waren. Was nämlich an den Boxen fehlt, ist ein Schlüssel. Die Dinger gehen also nicht einmal auf. Geschweige denn zu.  Es werde noch an der Frage gearbeitet, wie die Boxen zu bewirtschaften seien.</p>
<p>Der Grund liegt nicht darin, dass es keine Schlüssel gäbe. Die liegen wahrscheinlich irgendwo im Rathaus. Aber es gibt noch keine Lösung für den Fall, dass am Wochenende jemand sein Fahrrad einschließt und plötzlich merkt, dass der Schlüssel weg ist. Wen soll man da anrufen? Auf den blauen Schildern ist dieses Feld noch frei. Und das ist wohl auch das Problem.  &#8221;Man muss ja auch einen Notdienst fürs Wochenende organisieren, wenn mal einer seinen Schlüssel für die Box verbummelt hat&#8221;, sagt der Beigeordnete über anderthalb  Jahre  nach der Aufstellung der Boxen.</p>
<p>Das ist keine so schlechte Idee. Man hätte sie auch schon haben können, bevor die Boxen aufgestellt wurden. Aber große Ideen brauchen manchmal einfach ihre Zeit. Für die Fahrradboxen kommt sie ja vielleicht im Laufe des Jahres.</p>
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		<title>Meine Twitter-Kollegen</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Feb 2012 22:20:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kenne viele Menschen, die auf  Twitter  immer noch abfällig herabschauen. 140 Zeichen &#8211; das kann ja nichts Gescheites sein. Die Fortsetzung der SMS mit anderen Mitteln, voller Smileys, LOLs und völlig verkürzter Sachverhalte. So reden aber nur Leute, die es noch nie richtig ausprobiert haben.  Für mich ist Twitter das derzeit wichtigste soziale Netzwerk. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/meine-twitter-kollegen/img_3636/" rel="attachment wp-att-2282"><img class="alignleft size-medium wp-image-2282" title="Twitter ist voller Leute, die sich über sich selbst lustig machen können" src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_3636-150x135.jpg" alt="Twitter ist voller Leute, die sich über sich selbst lustig machen können" width="150" height="135" /></a>Ich kenne viele Menschen, die auf  Twitter  immer noch abfällig herabschauen. 140 Zeichen &#8211; das kann ja nichts Gescheites sein. Die Fortsetzung der SMS mit anderen Mitteln, voller Smileys, LOLs und völlig verkürzter Sachverhalte. So reden aber nur Leute, die es noch nie richtig ausprobiert haben.  Für mich ist Twitter das derzeit wichtigste soziale Netzwerk. Es ist nicht nur eine Nachrichtenzentrale, sondern auch ein Tummelplatz von Aphoristikern und Philosophen. Wer früher in der Zeitung am liebsten das Feuilleton und den Fortsetzungsroman las, kommt heute an Twitter nicht vorbei.</p>
<p><span id="more-2281"></span></p>
<p>Ich ertappe mich morgens immer öfter dabei, dass ich die Zeitung, obwohl noch gar nicht völlig durchforstet, beiseite lege und zum &#8220;kleinen Radio&#8221; greife. (So nennt meine Schwiegermutter diese neumodischen internetfähigen Telefondinger, aus denen manchmal auch Musik rauskommt.) Das ist insofern bedenklich, als dass ich meine Brötchen mit der<a title="meine Lokalredaktion" href="http://arnstadt.thueringer-allgemeine.de/" target="_blank"> Verfertigung von lokalen Teilen eines regionalen Holzmediums</a> verdiene. Aber die Versuchung ist einfach zu groß. Ich möchte wissen, wie es <a title="Hier gehts zum Twitter-Account" href="https://twitter.com/#!/schlenzalot" target="_blank">Schlenzalot</a>, <a title="Hier gehts zum Twitter-Account" href="https://twitter.com/#!/katjaberlin" target="_blank">Katjaberlin</a>, <a title="Hier gehts zum Twitter-Account" href="https://twitter.com/#!/rat_in_a_cat" target="_blank">Sarah</a>, <a title="Udo Vetters Twitter-Account" href="https://twitter.com/#!/udovetter" target="_blank">Udo Vetter</a>, <a title="Dasnuf bei Twitter" href="https://twitter.com/#!/dasnuf" target="_blank">Dasnuf</a>, <a title="Hier gehts zum Häkelschwein" href="https://twitter.com/#!/haekelschwein" target="_blank">Herrn Häkelschwein</a> und all den anderen geht und was sie mir vielleicht für diesen Tag mit auf den Weg zu geben haben. Also schlage ich meinen  Fortsetzungsroman im Internet auf. Einen, den ich mir selbst zusammengestellt habe. Bei Twitter.</p>
<p>Die Figuren, die darin mitspielen, kenne ich nicht persönlich. Aber ich weiß einiges von ihnen &#8211; oder ihren Rollen, die sie bei Twitter einnehmen. Die Grenzen sind fließend, so wie die im realen Leben. Wer weiß schon, ob der Nebenmann wirklich so ist, wie wir ihn wahrnehmen? Oder ob er nur eine Rolle spielt?</p>
<p>Von <a href="https://twitter.com/#!/schlenzalot" target="_blank">Schlenzalot</a> denke  ich zu wissen, dass er gerade in Peking ist. <a href="https://twitter.com/#!/katjaberlin" target="_blank">Katjaberlin</a> hat, das ist unbestritten,  ein <a title="Das Buch bei Amazon" href="http://www.amazon.de/wenn-Aufzug-nicht-kommt-graphitti-blog/dp/345360220X/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1330208288&amp;sr=1-1" target="_blank">sehr erfolgreiches Buch </a>auf dem Markt, <a href="https://twitter.com/#!/udovetter" target="_blank">Udo Vetter</a> einen für Strafverteidiger untypischen trockenen Humor und <a href="https://twitter.com/#!/dasnuf" target="_blank">Dasnuf</a> ist mehrfache Mutter. So überzeugend, wie sie darüber schreibt, kann das keine Rolle sein.  <a href="https://twitter.com/#!/afelia" target="_blank">Afelia</a> heißt eigentlich Marina Weisband, ist in letzter Zeit mehr mit den Geburtswehen der Piratenpartei als mit sich selbst beschäftigt gewesen und will das nun wieder ändern.  Darüber konnte  man auch in anderen Medien lesen, aber bei Twitter  öffnet sie manchmal, meist spät am Abend, ihre Seele. Zumindest glaube ich deshalb,  ihr näher zu sein als Leute, die nicht bei Twitter sind.  <a href="https://twitter.com/#!/haekelschwein" target="_blank">Herr Häkelschwein</a> hat tatsächlich ein Häkelschwein erfunden, das mittlerweile sogar auf meinem Schreibtisch steht und als Kalender an der Wand hängt.  Und<a href="https://twitter.com/#!/rat_in_a_cat" target="_blank"> Sarah</a> lebt offenbar in eheähnlicher Gemeinschaft mit ihrem Kater. Was davon stimmt, ich will es eigentlich gar nicht wissen. Ich mag einfach die Figuren, die sich erst in meinem Kopf zu einem kleinen Theaterstück zusammenfügen. Jeden Tag neu.</p>
<p>Auch die Konventionen bei Twitter sind mir sehr sympathisch. Man muss sich nicht mit Fakten einer angeblichen Realität legitimieren wie bei Facebook, und man muss sich auch nicht auf Gegenseitigkeit anfreunden. Jeder kann sich so darstellen, wie er möchte &#8211; und  jeder, der es will, kann es lesen, so er bei Twitter registriert ist.</p>
<p>Bei den meisten, denen ich folge, sind die Tweets wohl eine Mischung von Realität und Fiktion.  Manches davon ist schon richtig Literatur in 140 Zeichen. Wer jetzt die Nase rümpft, sei an den guten alten Aphorismus in der Tradition von <a title="Karl Kraus bei Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Kraus" target="_blank">Karl Kraus</a> erinnert. Ich bin überzeugt, würde Kraus heute leben, er wäre ein Twitterer und hätte 10 000 Follower. Der Aphorismus lebt wie lange nicht. 140 Zeichen sind sein Format.</p>
<p>Natürlich kann Twitter noch mehr. Es ist das schnellste Nachrichtenmedium überhaupt und auch so etwas wie ein Wegweiser durch das gesamte Internet. Doch <a href="http://futurezone.at/meinung/7583-die-allgewaltige-ablenkungsmaschine.php" target="_blank">Peter Glasers Definition einer &#8220;Zeitung, die nur aus einem Inhaltsverzeichnis besteht&#8221;</a>, ist wohl nicht ganz vollständig. Er hat recht, es ist eine große Ablenkungsmaschine ohne Zentrum. Oder vielleicht besser: Wo sich jeder als Zentrum fühlen kann. Sozusagen das Medium in Einklang mit Einsteins Relativitätstheorie.</p>
<p>Aber Twitter ist auch voller bunter Vögel, die ihre ganz persönlichen Sicht auf die großen und kleinen Dinge dieser Welt unterhaltsam aufzuschreiben wissen.</p>
<p>So, wie es gute Journalisten und Autoren eben tun sollten, egal in welchem Medium. Danke, Ihr vielen lieben Twitter-Kollegen. Ihr macht der Zunft alle Ehre. Und mir beschert ihr jeden Tag einen guten Anfang. Denn manches, was ich von Euch lese, kommt mir realer vor als das Leben.</p>
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		<title>Für die Schätze der Stadt</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 04:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arnstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Rathaus]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Arnstädter Rathaus ist nach der jahrelangen Restaurierung wieder ein Schmuckstück geworden. Das ab  1583 im niederländisch beeinflusstem Renaissancestil erbaute Gebäude erfuhr während seiner wechselvollen Geschichte zahlreich Um- und Anbauten. Besonders interessant aber ist es, in den Keller hinabzusteigen.  Zum Beispiel wegen des Tresors, in dem die Schätze Arnstadts lagern. Die Tür mit der Aufschrift [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/fur-die-schatze-der-stadt/schuite-075/" rel="attachment wp-att-2232"><img class="alignleft size-medium wp-image-2232" title="Bürgermeister Köllmer vor der massiven Tresortür" src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/Schuite-075-150x145.jpg" alt="Bürgermeister Köllmer vor der massiven Tresortür" width="150" height="145" /></a>Das Arnstädter Rathaus ist nach der jahrelangen Restaurierung wieder ein Schmuckstück geworden. Das ab  1583 im niederländisch beeinflusstem Renaissancestil erbaute Gebäude erfuhr während seiner wechselvollen Geschichte zahlreich Um- und Anbauten. Besonders interessant aber ist es, in den Keller hinabzusteigen.  Zum Beispiel wegen des Tresors, in dem die Schätze Arnstadts lagern.<br />
<span id="more-2231"></span><br />
Die Tür mit der Aufschrift &#8220;Geldschrankbode Hannover&#8221; ist, selbst wenn man die Schlüssel dazu hat, kaum zu öffnen. Von außen sieht man ihr das Gewicht und die Widerstandskraft nicht an, aber das gehört wohl zum Prinzip eines Tresors. Dieser ist sogar begehbar und innen sehr geräumig. Hier, im Keller des Rathauses, werden die Schätze der Stadt Arnstadt aufbewahrt.</p>
<p>Wie lange es den Raum schon in dieser Form gibt, ist schwer zu sagen. Denn eigentlich gehörte er vor dem jüngsten Umbau gar nicht zum Rathaus. Er wurde als Tresorraum von der Sparkasse genutzt, die neben dem Rathaus eine Zweigstelle hatte. Aber der heutige Bürgermeister Hans-Christian Köllmer lernte ihn schon in Wendezeiten kennen und schätzen.</p>
<p>Denn auf der Suche nach einem sicheren Unterbringungsort für die Unterlagen der ersten freien Kommunalwahl in Arnstadt kam das Bürgerkommitee auf die Idee, diesen Raum zu nutzen. &#8220;Wir sind damals nach Erfurt gefahren und haben einen Mann aufgetrieben, der mit solchen Schlössern umgehen konnte&#8221;, erzählt Köllmer. &#8220;Und danach haben wir die Unterlagen der Wahl darin gelagert.&#8221;</p>
<p>Zu DDR-Zeiten sollen hier auch Waffen abgestellt worden sein, von der &#8220;Gesellschaft für Sport und Technik&#8221;. Aber die waren schon weg, als das Bürgerkommitee kam. Dann war lange Zeit die Sparkasse wieder Herr und Nutzer des Tresorraums. Aus dem Rathaus gab es auch gar keinen Zugang dorthin. Doch als der Umbau des Rathauses geplant wurde, legte Hausherr Köllmer großen Wert darauf, dass dieser Raum vom Rathaus aus begeh- und nutzbar wurde.</p>
<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/fur-die-schatze-der-stadt/schuite-071/" rel="attachment wp-att-2235"><img class="alignleft size-medium wp-image-2235" title="Der Namenszug an der Tresortür" src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/Schuite-071-150x32.jpg" alt="Der Namenszug an der Tresortür" width="150" height="32" /></a>Das war eigentlich nicht vorgesehen, &#8220;aber ich fand, dass er ein Stück Geschichte der Stadt ist und unbedingt erhalten werden muss&#8221;, sagt Köllmer. Und das galt vor allem für die alte, schwere Tresortür. Auch als praktischen Gründen. Denn die Schätze der Stadt lagerten damals in einem kleinen Tresor in seinem Dienstzimmer. Nicht gerade zur Freude der Versicherung.</p>
<p>So wurde die Tresortür auf der Sparkassen-Seite ausgebaut und nach Hannover zur Restaurierung gebracht, denn die Firma &#8220;Bode Hannover&#8221; gibt es tatsächlich noch heute.</p>
<p>Nach der Restaurierung wurde die Tür von der Rathausseite aus wieder eingebaut. So hat nun die Stadt endlich einen würdigen und sicheren Platz für ihre Schätze. Und man hat jederzeit vom Rathaus aus Zugang dazu. Wenn man die große und schwere Tür aufbekommt.</p>
<p>Aber was sind das für Schätze, die derart sicher untergebracht werden müssen? Zur Enttäuschung aller Schatzsucher und Märchenfreunde: Truhen voller Gold, Silber und Edelsteinen findet man leider nicht in dem Tresorraum. Wären sie je dagewesen, hätte sie die Stadt sicher schon lange &#8220;versilbert&#8221;. Einziges sehenswertes Stück im Raum ist die Amtskette des Bürgermeisters, die er zu festlichen Anlässen anlegt. Der Rest sind Schriftstücke, Originalunterlagen, die besonders geschützt werden müssen, auch für den Brandfall. Kauf- und Konzessionsverträge zum Beispiel oder andere Dokumente, die nur im Original anerkannt werden. Das sind die wahren Schätze der Stadt.<br />
Aber wenn doch mal eine größere Menge an Gold unterzubringen wäre, der Tresorraum böte genügend Platz.</p>
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		<title>Wenn der Konsul kommt</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 04:21:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arnstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Joke]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal wird ein Journalist zu Terminen eingeladen, über die es eigentlich nichts zu berichten gibt. Höchstens, dass Leute ihre Arbeit machen, für die sie bezahlt werden. Das ist besonders langweilig für Leser, die jeden Tag ihre Arbeit machen, ohne dass über sie berichtet wird. Manchmal schreibe ich deshalb gar nicht über solche Null-Nummern. Aber manchmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/wenn-der-konsul-kommt/img_3634/" rel="attachment wp-att-2270"><img class="alignleft size-medium wp-image-2270" title="Ein russischer Konsul (links) zu Besuch in Arnstadt. Oder doch nur ein Referent?" src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_3634-150x134.jpg" alt="" width="150" height="134" /></a>Manchmal wird ein Journalist zu Terminen eingeladen, über die es eigentlich nichts zu berichten gibt. Höchstens, dass Leute ihre Arbeit machen, für die sie bezahlt werden. Das ist besonders langweilig für Leser, die jeden Tag ihre Arbeit machen, ohne dass über sie berichtet wird. Manchmal schreibe ich deshalb gar nicht über solche Null-Nummern. Aber manchmal doch. Weil es einfach zu skurril ist, um es wegzulassen.<br />
<span id="more-2269"></span><br />
Im Saal des evangelischen Gemeindehauses in Arnstadt wurde kürzlich nur russisch gesprochen. Mit kleinen Ausnahmen, Landrat Benno Kaufhold und der Arnstädter ehrenamtliche Beigeordnete Horst Höhne (beide CDU) durften ein paar Worte auf Deutsch sagen. Das wurde dann übersetzt. Man hätte es aber auch nicht zu übersetzen brauchen, denn zu sagen hatten sie wenig. Sie wussten eigentlich auch nicht, warum sie da waren. Es hatte Anrufe ganz kurzfristig im Rathaus gegeben, sagt Horst Höhne, und dabei waren mehrfach die Worte &#8220;wichtig&#8221; und &#8220;Konsul&#8221; gefallen.  Und nun sei er auch gespannt, was passieren würde.</p>
<p>Die über 100 russisch sprechenden Menschen wussten offenbar, warum sie gekommen waren.  Aus einem rein formalen Grund, versicherte einer von ihnen. Vertreter des russischen Generalkonsulats aus Leipzig wollten kommen, um  in Arnstadt eine Art Pass- und Visa-Sprechstunde abzuhalten. Das gibt es regelmäßig, damit die Betroffenen nicht extra nach Leipzig fahren müssen. Man konnte also in Arnstadt Anträge stellen, Formulare abgeben und ein junger, aber sehr wichtig dreinblickender Mensch verglich die Fotos in den Dokumenten mit der Wirklichkeit, eher er die Lizenz zum Stempeln erteilte. Er blickte wohl auch deshalb diesmal besonders wichtig, weil auch Wahlunterlagen ausgeteilt wurden: Der Herr Putin will sich ja jetzt wieder wählen lassen. Man weiß zwar als Außenstehender nicht immer so genau, ob nun als Regierungschef oder Staatspräsident, aber das macht Putin mit seinem Double Medwedjew wahrscheinlich auch erst hinterher aus.</p>
<p>Der junge Mann, der da mit Gefolge etwas verspätet aus Leipzig gekommen war, heißt Dmitri Jeshow und wurde mal als Konsul, mal als Attaché vorgestellt, auf seiner Visitenkarte steht &#8220;Referent&#8221;. Es soll, sagen Kenner der diplomatischen Szene, alles zutreffend sein. Natürlich klingt &#8220;Konsul&#8221; am besten.  Ein Attaché hätte wohl auch nicht so ängstlich geguckt, als Landrat Kaufhold aus seinem obligatorischen Ilmkreis-Beutel eine Flasche Wodka herausholte und überreichen wollte.  Und für einen Referenten hat der Herr Jeshow mit dem glänzenden Anzug  auch einfach zu wenig referiert.</p>
<p>Um es genauer zu sagen:  Gesagt hat Herr Jeshow offiziell eigentlich gar nichts. Immerhin erfuhr man, wenn auch nicht von ihm, dass es viele russische Menschen in der Region gibt, die keine Aussiedler sind und deshalb einen russischen Pass haben. In Arnstadt sollen es 80, im Ilmkreis 500 sein. Zum Teil werden sie wohl als &#8220;Kontingentflüchtlinge&#8221; geführt, aber man traf gestern auch Menschen, die hier normal arbeiten, aber ihre russische Staatsbürgerschaft nicht ablegen wollen.</p>
<p>Erfahren hat man das von Leander Lutz vom Verein &#8220;Freunde der Stadt St. Petersburg&#8221;. Dem war es im Vorfeld offenbar auch gelungen, mit der etwas irreführenden Nachricht &#8220;Konsul besucht Arnstadt&#8221; die Kommunalpolitiker von der weltpolitischen Bedeutung der Pass-Sprechstunde zu überzeugen. Landrat Kaufhold stand zwar etwas verloren herum, es gelang ihm aber später, mit auf einige Fotos zu kommen.</p>
<p>Und so wurde es für den Landrat  doch noch ein sinnvoller Termin. Wenigstens ein bisschen.</p>
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		<title>Ein Schloss mit vielen Schlössern</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 04:30:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arnstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[JVA Ichtershausen]]></category>

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		<description><![CDATA[Unweit der Ortsmitte des kleinen Ortes Ichtershausen befindet sich ein Gelände, dass auch Einheimische kaum von innen kennen. Es ist die Jugendstrafanstalt, der einzige Ort in Thüringen, wo Jugendliche eine Haftstrafe absitzen können. Es hat eine lange Tradition als Gefängnis, auch wenn die Gebäude zum Teil noch viel älter sind.  Aber die Tage des Gefängnisses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/ein-schloss-mit-vielen-schlossern/jva-ichtershausen-126/" rel="attachment wp-att-2226"><img class="alignleft size-medium wp-image-2226" title="Auch ein ehemaliges herzogliches Schloss gehört heute zum Gefängnisareal." src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/JVA-Ichtershausen-126-150x132.jpg" alt="Auch ein ehemaliges herzogliches Schloss gehört heute zum Gefängnisareal." width="150" height="132" /></a>Unweit der Ortsmitte des kleinen Ortes Ichtershausen befindet sich ein Gelände, dass auch Einheimische kaum von innen kennen. Es ist die Jugendstrafanstalt, der einzige Ort in Thüringen, wo Jugendliche eine Haftstrafe absitzen können. Es hat eine lange Tradition als Gefängnis, auch wenn die Gebäude zum Teil noch viel älter sind.  Aber die Tage des Gefängnisses sind gezählt, im Nachbarort Rudisleben wird schon an einem neuen Gefängnis gebaut.<br />
<span id="more-2223"></span><br />
Dieses Haus hat wirklich viele verschlossene Türen. Hineinzukommen ist auch für Besucher nicht so einfach. Man muss den Personalausweis abgeben und das Mobiltelefon, wird eingetragen und bekommt eine Besucherkarte. Und wenn man dann drin ist, wird man nicht aus den Augen gelassen.</p>
<p>Der Grund dafür sind Jugendliche, die eigentlich dort gar nicht hineinwollten aber am Ende dennoch längere Zeit in dem Areal verbringen müssen. Sie wurden zu einer Haftstrafe verurteilt. Und der einzige Ort in Thüringen, wo man sie als männlicher Jugendlicher absitzen kann, ist die Jugendstrafanstalt in Ichtershausen.</p>
<p>Der erste Eindruck: Stacheldraht auf allen Mauern und an Fassaden. Tore und Türen, die manchmal mehrere Schlösser haben. Und trotzdem, ein Gefängnis stellt man sich eigentlich anders vor. Was sich in Ichtershausen befindet, ist eine Anhäufung von Gebäuden unterschiedlichster Baustile. Mit einem schlossähnlichen Haus in der Mitte, das seine besten Zeiten sichtbar hinter sich hat. Hier residierte einstmals ein Herzog, aber schon lange davor, ab 1133, gab es auf dem Gelände ein Zisterzienserkloster.</p>
<p>Dennoch hat auch die Nutzung als Gefängnis schon eine lange Tradition. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurden hier Kriegsgefangene untergebracht, danach wurde für einige Jahre eine &#8220;Kinderbewahranstalt&#8221; daraus. Ab 1877 war Ichtershausen Landesgefängnis, zunächst für beide Geschlechter, ab 1924 dann nur noch für Männer. In der DDR wurde es ein &#8220;Jugendhaus&#8221; mit bis zu 400 Häftlingen.</p>
<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/ein-schloss-mit-vielen-schlossern/jva-ichtershausen-282/" rel="attachment wp-att-2244"><img class="alignleft size-medium wp-image-2244" title="Traditionspflege hinter Gefängnismauern" src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/JVA-Ichtershausen-282-150x124.jpg" alt="" width="150" height="124" /></a>Männliche Jugendliche sind bis heute dort untergebracht. Allerdings gibt es nur noch 225 Haftplätze. Und obwohl man sich durch mehrfache Umbauten bemühte, die Bedingungen in den zum Teil sehr alten Gemäuern zu verbessern, sind die Bedingungen keinesfalls optimal. Das ist auch der Grund, <a title="Kein Kuschelknast" href="http://blog-arnscht.de/2011/08/kein-kuschelknast/" target="_blank">warum derzeit in Rudisleben ein Neubau entsteht</a>. Doch bis der fertig ist, dürfte es noch eine Weile dauern. Und so lange müssen die Häftlinge und die Bediensteten mit dem alten Gemäuer leben.</p>
<p>Eng ist es vor allem in den Zellen. Es ist nicht genug Platz für eine grundsätzliche Einzelunterbringung, die gerade bei Jugendlichen wichtig wäre. Dafür gibt es genügend Möglichkeiten, den Alltag im Gefängnis sinnvoll zu nutzen. Neben den Werkstätten für die Berufsausbildung finden sich Räume für die Anstalts-Band, für Mal- und Gestaltungstalente oder zur sportlichen Betätigung. Es wird mit der sozialen Komponente der Betreuung von Tieren gearbeitet und ein hauseigener Garten kann von den Häftlingen gepflegt werden. Platz dafür ist auf dem Gelände genug, auch wenn die Räume zum Teil unsaniert und einige kaum heizbar sind. Aber die Anstaltsleitung mit Anette Brüchmann an der Spitze hat auch improvisieren gelernt.</p>
<p>Wenn es irgendwann in den nächsten Jahren einen Umzug in das neue Gefängnis gibt, wird wohl kaum einen der jetzigen Insassen oder Bediensteten Wehmut befallen. Vieles an ihrem jetzigen Domizil ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Aber es ist ein Stück Kultur- und Ortsgeschichte, das dann in Ichtershausen zurückbleibt. Ein großes Stück sogar das unmittelbar an den Ortskern angrenzt. Das Thüringer Justizministerium und die Gemeinde haben sich jetzt schon zur Aufgabe gemacht, dafür ein Nachnutzungskonzept zu entwickeln. Egal, was aus dem Kloster, dem Schloss und all den anderen Bauten einmal wird, es dürfte dann wesentlich leichter sein, hinein- und auch wieder herauszukommen.</p>
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		<title>Beschädigter Beigeordneter</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 04:34:20 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtrat]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Böttcher]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gab in der jüngeren Vergangenheit einige absonderliche Dinge in der Kommunalpolitik. Da wurde über eine weitere ehrenamtliche Beigeordnete von der SPD nachgedacht, die das dann aber doch nicht wollte. Da gab es einen Antrag der Freien Wähler im Kreistag, den die SPD-Landratskandidatin mit dem Bürgermeisterkandidaten von Pro Arnstadt ausgekaspert hatte und der dann wegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/beschadigter-beigeordneter/100_1141/" rel="attachment wp-att-2250"><img class="alignleft size-medium wp-image-2250" title="Ulrich Böttcher (Archivbild von 2008)" src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/100_1141-150x148.jpg" alt="Ulrich Böttcher (Archivbild von 2008)" width="150" height="148" /></a>Es gab in der jüngeren Vergangenheit <a title="Hier noch einmal die Zusammenfassung, was bisher geschah" href="http://blog-arnscht.de/2012/02/ein-ausgefallener-antrag/" target="_blank">einige absonderliche Dinge in der Kommunalpolitik</a>. Da wurde über eine weitere ehrenamtliche Beigeordnete von der SPD nachgedacht, die das dann aber doch nicht wollte. Da gab es einen Antrag der Freien Wähler im Kreistag, den die SPD-Landratskandidatin mit dem Bürgermeisterkandidaten von Pro Arnstadt ausgekaspert hatte und der dann wegen der Kälte (nicht der politischen) nicht abgestimmt wurde. Und da gab es das Ansinnen, dem hauptamtlichen Beigeordneten eine Ausschreibung zu ersparen &#8211; und ihn damit unabhängig vom Ausgang der Bürgermeisterwahl eine Perspektive zu sichern. Auch das ging am Ende schief. Man hätte Ulrich Böttcher diese Niederlage ersparen müssen &#8211; und können.<br />
<span id="more-2249"></span><br />
21 Stadträte hätten im Arnstädter Stadtrat dafür stimmen müssen, dass auf eine Ausschreibung für die Stelle des Ersten Beigeordneten verzichtet wird. Es stand also nicht direkt die  Wiederwahl des Amtsinhabers Ulrich Böttcher (FDP)  an, aber eine Vorentscheidung. Wäre der Antrag angenommen worden, hätte für die Zeit nach dem 30. September nur noch er zur Wahl gestanden.  Das wäre, bei der allgemeinen Zufriedenheit mit der Arbeit Böttchers im Stadtrat, dann wirklich eine Formsache geworden. Und als Formsache schien zunächst auch dieser Antrag gedacht: Wenn schon keiner weiß, wer im April  Bürgermeister wird, soll wenigstens Klarheit über den zweiten Mann herrschen. Ein hehres Anliegen des scheidenden Bürgermeisters, der damit ein funktionierendes Haus hinterlassen würde, so könnte man wohlwollend meinen.</p>
<p>Doch für den Verzicht auf eine Ausschreibung braucht man eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Dass sie wackeln könnte, war schon vor der Stadtratssitzung klar. Denn die Fraktion der &#8220;Linken&#8221;, die immerhin über 7 der 30 Mandate verfügt, hatte vorher angekündigt, einen Antrag auf Verschiebung der Abstimmung bis nach der Bürgermeisterwahl zu stellen. Und wenn der nicht durchkäme, wollten sie dagegen stimmen, dass auf die Ausschreibung verzichtet wird.</p>
<p>Öffentlich betonte Linken-Fraktionschef, dass er sich bei seinen Überlegungen vor allem von der Sorge um den Beigeordneten leiten ließe: &#8221;Wenn dieser Antrag nicht durchkommt, würde das für Herrn Böttcher demotivierend wirken&#8221;, gab Kuschel zu bedenken, bevor die Stadträte zur Urne schritten. Andere sprachen von der &#8220;Gefahr einer Beschädigung&#8221;. Es war schwer auseinanderzuhalten, was davon ernst gemeint war &#8211; und was nur scheinheilig.</p>
<p>Es stand damit mehr auf dem Spiel als nur die Frage, ob man ein Amt ausschreibt oder nicht. Es ging am auch um die Reputation von Ulrich Böttcher, der wegen der anhaltenden gesundheitlichen Probleme Hans-Christian Köllmers praktisch als Bürgermeister fungiert. Alle versicherten öffentlich, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Aber geheime Abstimmungen haben eine eigene Dynamik. Und keiner wusste genau, wer vielleicht noch eine Rechnung offen haben könnte mit dem Mann, der seit Jahren so viele Entscheidungen gerade im Bauamt zu verantworten hatte.</p>
<p>Und es gab noch einen anderen Aspekt, der bei der Abstimmung eine wichtige Rolle spielte: Der Antrag kam vom jetzigen Bürgermeister, aber sein Nachfolger muss mit dem Ergebnis leben. Der Verzicht auf eine Ausschreibung sollte Kontinuität für das Rathaus signalisieren, die Hans-Christian Köllmer aber nur in einem Fall wirklich gewährleisten kann: Wenn sein Wunsch-Nachfolger Georg Bräutigam ihn im Amt beerbt. Die anderen Kandidaten müssen auf größtmögliche Spielräume nach der Wahl aus sein, auch beim Personal.</p>
<p>Jedes neue Stadtoberhaupt dürfte sicher froh sein, wenn er einen erfahrenen und loyalen Mann an seiner Seite hätte, einen Mann wie Ulrich Böttcher. Doch der scheidende Bürgermeister hat diesem integeren Menschen durch seinen Antrag den Ruf verpasst, zum &#8220;System Köllmer&#8221; dazuzugehören. Das gab wohl den Ausschlag.</p>
<p>Es stimmten nur 18 Stadträte dafür, auf die Ausschreibung zu verzichten, neun waren dagegen, drei enthielten sich. Der Antrag war gescheitert.</p>
<p>Vielleicht ist die Beschädigung Ulrich Böttchers nicht ganz so groß wie vor und nach der Abstimmung  von einigen beschworen. Aber diese Personaldebatte hat Schaden angerichtet. Und sie hat niemandem genutzt.</p>
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		<title>Unvergessliche Ereignisse</title>
		<link>http://blog-arnscht.de/2012/02/unvergessliche-ereignisse/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 21:49:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arnstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Autobahn A 71]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich kürzlich einen Beitrag über die Zunahme des Verkehrs auf der Autobahn A 71 schreiben wollte, erinnerte ich mich an einem Freitagabend im Dezember 1998, als ich dort ganz allein unterwegs war. Die Freigabe des ersten Teilstücks dieser neuen Trasse sollte erst am Sonnabend am Vormittag erfolgen. Aber ich wollte es unbedingt vorher schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich kürzlich einen Beitrag über die Zunahme des Verkehrs auf der Autobahn A 71 schreiben wollte, erinnerte ich mich an einem Freitagabend im Dezember 1998, als ich dort ganz allein unterwegs war. Die Freigabe des ersten Teilstücks dieser neuen Trasse sollte erst am Sonnabend am Vormittag erfolgen. Aber ich wollte es unbedingt vorher schon ausprobieren: Auf einer Autobahn von Erfurt nach Arnstadt, das war schon eine kleine Sensation. Und so habe ich eben in Bindersleben die Sperren ignoriert und bin über das Erfurter Kreuz nach Arnstadt Nord gefahren. Niemand außer mir war sonst auf der Piste.<br />
<span id="more-2216"></span><br />
Dass es ein Freitag war, weiß ich deshalb noch so genau, weil  am nächsten Tag ein SPD-Landesparteitag in Günthersleben-Wechmar stattfand, von dem ich berichten durfte. Danach fuhr ich noch ein Stück über die nun offene Autobahn, obwohl es ein Umweg war. Aber wie lautete das Datum?</p>
<p>Eine ganze Zeit lang war die Autobahn nur bis zur provisorischen Anschlusstelle Traßdorf zu benutzen.  Nach drei Jahren kam zwar das Stück bis nach Ilmenau hinzu, aber es dauerte noch bis 2005, ehe man wirklich von Erfurt nach Schweinfurt durchfahren konnte – und damit der Anschluss im Norden und Süden an eine andere Autobahn gegeben war. Wann das genau passiert ist, ich weiß es nicht mehr.  Nicht das Datum, nicht den Wochentag. Und die Uhrzeit oder die Namen der banddurchschneidenden Politiker schon gar nicht.</p>
<p>Dazwischen gab es die Sache mit dem Rennsteigtunnel, den man durchlaufen konnte, ehe er frei gegeben wurde. Es war ein Volksfest, dem auch ich damals für mich das Attribut &#8220;unvergesslich&#8221; anheftete. Wann das war? Ich habe es vergessen.</p>
<p>Solche Daten findet man auch bei Wikipedia nicht oder auf den vielen Seiten, die den Autobahnbau am Anfang dokumentiert haben. Da stehen Jahreszahlen, manchmal noch Monate. Aber Datumsangaben? Es scheint, als wäre es mit solchen Dingen wie mit Weihnachten: Vorher fiebert man den Geschenken entgegen, aber wenn sie da sind, werden sie unwichtig. Normal eben. Deshalb war es eine kluge Entscheidung, Weihnachten auf den 24. Dezember zu legen. Da kann man wenigstens das Geschenk-Datum nicht vergessen.</p>
<p>Ich habe überlegt, ob man die Eröffnungstermine der einzelnen Bauabschnitte der A 71 dokumentieren sollte. Ganz akribisch, mit Uhrzeit und Teilnehmern. Man müsste ja nur mal richtig rumfragen und recherchieren, so lange ist das ja noch nicht her.  Aber dann bin ich von dem Gedanken doch wieder abgekommen: Wahrscheinlich interessiert es einfach keinen mehr. Ich will ja auch nicht wissen, an welchem Wochentag die Eisenbahnstrecke Arnstadt-Ilmenau eingeweiht wurde. Hauptsache die Brücke bei Angelroda trägt sie noch.</p>
<p>Wir erinnern uns  an den 11. September und den 9. November. Aber was werden unsere Kinder später noch mit diesen Daten verbinden oder deren Kinder? Und es gibt so viele Ereignisse, von denen wir glaubten, sie würden sich fest ins Gedächtnis einbrennen. Manchen ist es gelungen. Aber von den meisten blieb nur ein Gefühl, wie es uns damals ergangen ist. Und wahrscheinlich ist das auch das Wichtigste: etwas zu verarbeiten, um es für immer zu behalten.</p>
<p>Übrigens war ich an diesem Freitagabend im Dezember 1998 auf der A 71 dann doch nicht so ganz allein. Zwei Polizeiautos mit Blaulicht leisteten mir hinter dem Erfurter Kreuz  Gesellschaft, schließlich war die Trasse noch gar nicht freigegeben. Und so endete meine erste Fahrt auf dieser Autobahn mit einer Polizei-Eskorte an der Abfahrt  Arnstadt-Nord. Ohne Bußgeld übrigens. Es war eben wirklich eine besondere Fahrt.</p>
<p>Und ich werde sie bestimmt nie vergessen.</p>
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		<title>Wenn der MDR weg ist</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Feb 2012 17:32:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arnstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalfernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[MDR]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ARD geht derzeit in die Offensive. Programmmäßig mit einem in die Jahre gekommenen Lockenkopf,  technisch mit der Komplettumstellung auf digitalen Fernsehempfang. Über die Probleme bei Gottschalk ist öffentlich genug zu lesen, über die mit dem Digitalprogramm leider nicht. Dabei lässt die ARD dabei gerade ihre treueste Zuschauergruppe ins Messer laufen: Die weniger technikaffinen Rentner. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog-arnscht.de/2012/02/wenn-der-mdr-weg-ist/img_3453/" rel="attachment wp-att-2194"><img class="alignleft size-medium wp-image-2194" title="IMG_3453" src="http://blog-arnscht.de/wp-content/uploads/2012/02/IMG_3453-150x106.jpg" alt="" width="150" height="106" /></a>Die ARD geht derzeit in die Offensive. Programmmäßig mit einem in die Jahre gekommenen Lockenkopf,  technisch mit der Komplettumstellung auf digitalen Fernsehempfang. Über die Probleme bei Gottschalk ist öffentlich genug zu lesen, über die mit dem Digitalprogramm leider nicht. Dabei lässt die ARD dabei gerade ihre treueste Zuschauergruppe ins Messer laufen: Die weniger technikaffinen Rentner.<br />
<span id="more-2193"></span><br />
&#8220;Der MDR ist schon wieder weg&#8221;, sagt meine Mutter. Sie ist 92 und eine rüstige Frau &#8211; und sie schaut im Fernsehen gern ihren Heimatsender. Der hat ihr vor einigen Wochen offenbar eindringlich klar gemacht, dass sie für den Sender jetzt außer der Reihe bezahlen muss. GEZ reicht nicht, als Satelliten-Konsument muss ein Digital-Receiver angeschafft werden, damit Florian Silbereisen auch künftig in die Wohnstube kommt. Die Spots dazu sind fast so düster wie damals jene mit den Raubkopierern.  Wer nicht ganz schnell handelt, bei dem ist ab Mai der Bildschirm duster. Schrecklicher Gedanke für meine Mutter.</p>
<p>&#8220;Junge, wir brauchen auch so ein Digitaldingens&#8221;, sagt sie ziemlich bestimmt. Was heißt, ich soll ihr eins beschaffen. Der Pflichtenkatalog war einfach: Es sollte möglichst alles beim Alten bleiben. Die Fernbedienung mit ähnlichen Knöpfen, die Programme auf der gleichen Nummer &#8211; und nur kein Stress. HD, Videotext, EPG, alles kein Thema. Beim Anschalten MDR auf der Nummer 6, der bayrische noch für die Gymnastik und ARD für die Tagesschau.  Klare Ansagen. Das müsste schnell zu machen sein, dachte ich.</p>
<p>Das erste Problem: Solche Kriterien sind Herstellern von Hardware weitgehend fremd. Geräte vom Kunden her zu denken, ist noch nicht sehr weit verbreitet.  Und so wird zwar munter mit allen möglichen technischen Raffinessen geprahlt, aber dass man viele von ihnen erst auf der 4. Unterebene des 3. Hauptmenüs  findet, erfährt man erst nach dem Kauf. Denn es ist selbst im gut sortierten Fachhandel kaum üblich, einen Sat-Receiver auszuprobieren. Und selbst, wenn man es könnte &#8211; wie er mit dem jeweiligen Fernseher harmoniert, weiß man dann noch immer nicht.</p>
<p>Die Folge ist ein bisher wenig untersuchtes Phänomen: Die meisten Menschen sehen das Fernseh-Programm gar nicht so, wie es eigentlich gemeint ist. Allein die Anpassung der Formateinstellungen zwischen Automatik, 16:9 und 4:3 von Fernseher und Receiver ist meist so kompliziert, dass viele Leute davor kapitulieren und lieber ein verzerrtes Bild in Kauf nehmen.  Viele Zuschauer wären wohl erschrocken, würden sie ihre Lieblinge mal im Original sehen. Wir nehmen die Fernsehwelt als Zerrbild wahr, sogar im Wortsinn.</p>
<p>Doch diese Hürde nahm ich noch. Es sollte ja nur einer sein, der dam alten recht ähnlich war, aber digital eben. Ich hatte ja keine Ahnung, dass das längst nicht reicht. Weil ich das PMT-Problem noch nicht kannte.</p>
<p>Ich kaufte also und  schloss das Teil an. Auf Progamm-Nummer 6 kam nun nicht mehr &#8220;MDR&#8221;, sondern &#8220;MDR Thüringen&#8221;. Damit sei nun sogar der Empfang des &#8220;Thüringen-Journals&#8221; um 19 Uhr möglich, erklärte ich meiner Mutter. Bisher hatte es  analog-bedingt,  um diese Zeit nur die &#8220;Länderzeit&#8221; gegeben, eine Art &#8220;Best Of Mitteldeutschland&#8221;. Aber jetzt, im digitalen Zeitalter, würde sich das ändern, sagte ich. Viel mehr Thüringen ab sofort im Fernsehen. Und ich hatte tatsächlich diese Hoffnung.</p>
<p>&#8220;Die reden aber nur von Sachsen-Anhalt&#8221;, sagte meine Mutter am folgenden Tag um 19.10 Uhr. Und tatsächlich, es war nichts von &#8220;Thüringen-Journal&#8221; zu sehen. Ich zappte hilflos ein wenig hin und her. Und da war es plötzlich. Daniel Baumbach, der bekannte Hans Dampf in allen Thüringer MDR-Gassen, lächelte uns aus dem Fernseher an. Siehste, sagte ich zu meiner Mutter, hat sich doch gelohnt. Jetzt erfährst Du viel mehr über Thüringen.</p>
<p>&#8220;Der MDR ist aber wieder weg&#8221; sagte sie traurig gegen 19.40 Uhr. Und tatsächlich, der Bildschirm war wie eingefroren, ein Standbild. &#8220;Ich weiß aber, was ich machen muss&#8221;, sagte meine Mutter,  &#8221;einfach um 19 Uhr nicht vor- und zurückschalten. Dann konnt zwar nur was aus Magdeburg, aber hinterher geht es wenigstens weiter&#8221;.</p>
<p>So ist meine Mutter zwar im digitalen Zeitalter angekommen, aber auch in Sachsen-Anhalt. Von Thüringen bekommt sie  nichts mehr mit, aber das digital.</p>
<p>Mittlerweile habe ich mich schlau gemacht, was dahinter steckt. Es ist die Unfähigkeit der ARD-Anstalten, mit den Herstellern von Sat-Receivern vor der Digitalumstellung einen gemeinsamen und praktikablen Standard für die Umschaltung auf verschiedene Regionalprogramme eines Senders verbindlich zu vereinbaren. MDR, NDR und andere bieten softwareseitig dazu ein System namens &#8220;dynamisches <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Program_Map_Table" target="_blank">PMT (Program Map Table)&#8221;</a> an, aber das können eben nicht alle Receiver verarbeiten. Ohne dieses Umschaltungs-Signal läuft beim MDR eben um 19 Uhr &#8220;Sachsen-Anhalt heute&#8221;. Und wenn man es schafft, doch das Thüringen-Journal durch Hin- und Herschalten einzustellen, schaltet es hinterher ohne PMT-Kompatibilität nicht wieder automatisch auf den Hauptsender zurück. Man muss &#8211; teilweise mehrfach &#8211; den Kanal erneut ansteuern, um das zu korrigieren. Zuschauerfreundlichkeit sieht anders aus. Und ich habe bei der Recherche auch gemerkt, dass ich <a title="Google-Suche nach PMT-Problemen" href="http://www.google.de/search?aq=f&amp;sourceid=chrome&amp;ie=UTF-8&amp;q=sattellitenreceiver#hl=de&amp;sa=X&amp;ei=O_c3T8-COIjGtAaE76HIDA&amp;ved=0CCgQBSgA&amp;q=satelliten+receiver+Pmt+Problem+Umschaltung&amp;spell=1&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_cp.,cf.osb&amp;fp=e5624b7b795322de&amp;biw=1280&amp;bih=937" target="_blank">keinesfalls der Einzige bin, der solche Probleme hat</a>.</p>
<p>Niemand sagt einem vor dem Kauf, dass die PMT-Tauglichkeit ein wichtiges Kriterium für einen Sat-Receiver ist &#8211; zumindest, wenn man solche Regionalsendungen gucken will. Auch  der MDR sagt einem das nicht. Ich habe jedenfalls nirgendwo einen Hinweis darauf gefunden. Nur in Antworten in Hilfeforen wird den Betroffenen nahegelegt, sie sollen es mal mit einem Firmware-Update probieren. Das Gesicht meiner Mutter möchte ich sehen, wenn ich ihr nahelege, das zu machen.</p>
<p>Aber vielleicht ist dem Sender auch gar nicht so wichtig, dass seine Regionalprogramme gesehen werden.  Die GEZ fließt ja sowieso.</p>
<p>Und zumindest meine Mutter findet jetzt, dass sowieso in Magdeburg mehr los ist als in Erfurt.</p>
<p>Ich habe übrigens bei der MDR- Technikredaktion angefragt, ob Sie mir eine Liste PMT-fähiger Sat-Receiver zur Verfügung stellen könnte, um bei künftigen Käufen nicht wieder auf die Nase zu fallen. Auf die Antwort bin ich gespannt, ich werde sie hier veröffentlichen.</p>
<p><strong><em>Nachtrag am 14. Februar 2011:</em></strong></p>
<p>heute hat mir der MDR geantwortet. Hier der Wortlaut. Er ist selbsterklärend. Zur Erinnerung: ich hatte nach einer Liste von Receivern gefragt, die mit der dynamischen Programmumschaltung  klarkommen.</p>
<p><span style="color: #993300;">Sehr geehrter Herr Pfeiffer,</span><br />
<span style="color: #993300;">solche Probleme, wie Sie beschrieben haben, sind immer auf eine schlecht programmierte Gerätesoftware zurückzuführen. Der Umschaltvorgang ist eine standardisierte Funktionalität, die auch so in der Software integriert sein muss. In der Regel unterstützen die Receiver alle die sogenannte dynamische PMT-Umschaltung, manche jedoch nicht einwandfrei. Meist kann man auch nicht in den Datenblättern eine Angabe dazu finden, da es sich ja um eine standardisierte Funktionalität handelt.</span><br />
<span style="color: #993300;">Bitte prüfen Sie, ob für den Receiver eine neue Firmwareversion vorliegt und spielen diese ein.</span></p>
<p><span style="color: #993300;">Vielleicht ist damit das Problem behoben. Da ein Mangel des Gerätes vorliegt bleibt Ihnen sonst nur noch, das Gerät zu tauschen.</span><br />
<span style="color: #993300;"><br />
</span><span style="color: #993300;">Mit freundlichen Grüßen aus dem Funkhaus in Leipzig</span><br />
<span style="color: #993300;">______________________________</span><wbr><span style="color: #993300;">__</span></p>
<p></wbr></p>
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