Der Vermittler

Wenn man am 24. Dezember Geburtstag hat, hält sich die Zahl der Geburtstagsgäste wohl in Grenzen. Es sei denn, man heißt Horst Höhne. Und im Jahr 2009 war es auch noch der 70. Da kamen – außer dem Christkind – eigentlich alle.

Natürlich feierte er im Gärtnerhäuschen. Dort, wo das Stadtmodell steht. Denn Horst Höhne ist auch Chef des Neideck-Vereins, also einer, der sich um Arnstädter Geschichte kümmert. Mittlerweile ist er selbst schon ein Stück davon.
Horst Höhne ist ein echtes Arnstädter Urgestein. Vor 70 Jahren wurde er in der Stadt geboren. Und hat sie mit geprägt.
Treu war er Arnstadt nicht immer. Man kennt ihn in Erfurt, als die Wende kam, war er gerade in Berlin und dabei, die Friedrichstraße mit umzubauen. Wie der gelernte Jurist zum Bauwesen kam, ist eine eigene Geschichte. Aber bei dem, was nach der Wende auf ihn zu kam, konnte er beides gebrauchen. Bis heute.
Horst Höhne ist trotz seiner 70 Jahre noch immer Beigeordneter der Stadt Arnstadt. Im Ehrenamt zwar, aber er ist weit davon entfernt, das als Nebenjob zu begreifen. Er leitet den Bauauschuss des Stadtrates, wohl einen der wichtigsten. Und er tut das auf seine eigene Weise. Mit ziemlich viel Freundlichkeit, aber bestimmt. Was ihm da- bei viel nützt: Man kann Horst Höhne fast nichts abschlagen. Es ist schier unmöglich, mit ihm zu tun zu haben und nicht zu seinem Duzfreund zu werden. Das hat nichts völlig Vereinnahmendes, auf dem Bau war das auch immer so. Und ein Auftrag hört sich eben netter an, wenn der Auftraggeber einen duzt. Ein Auftrag aber bleibt es trotzdem.
Mag sein, dass unter den vielen Gästen, die am Vormittag des 24. Dezember zum Gratulieren kamen, auch Leute waren, die zu ihm nicht Du sagen. Aber wahrscheinlich ist das nicht. Vom Bürgermeister über den Landrat bis zu Linke-Stadtrat Gerhard Pein duzten alle. Und wurden gleichermaßen freundlich begrüßt.
Denn Horst Höhne ist zwar in der CDU, aber Parteizugehörigkeit scheint für ihn nicht so furchtbar wichtig. Zumindest lässt er den Christdemokraten nicht bei jeder Gelegenheit erkennen, was ihm die Möglichkeit gibt, auch in heiklen Fragen hinter den Kulissen zu vermitteln. Und so ist er in einem Stadtrat, der sich häufig an ideologischen Fragen festzubeißen droht, ein Ruhepol, der wieder Bewegung in eine Sache bringen kann. Selbst die Linken im Stadtrat wissen, was sie an ihm haben. Und der Bürgermeister weiß es auch. Nicht nur, weil ihm Höhne viele Repräsentationstermine abnimmt.
Deshalb wurde Horst Höhne auch in diesem Jahr erneut zum ehrenamtlichen Beigeordneten gewählt, obwohl er da schon fast 70 war. Und wie er da so im Gärtnerhäuschen stand an seinem Geburtstag und geduldig die Gratulationen entgegennahm, hatte man nicht den Eindruck, er habe Lust auf ein normales Rentnerdasein.
Es ist ihm zu wünschen, dass er noch lange vermitteln und mitgestalten kann.
Und Arnstadt wünscht man es auch.

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