Ade Concordia (2): Von der Glaswerkstatt zum Beatschuppen

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die ehemalige „Concordia“ erst in   „Liselotte-Herrmann-Heim“ und wenig später in „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ umbenannt. Ab 1963 hieß es dann offiziell „Jugendklubhaus“ – bis zur Wende und darüber hinaus.

Nach 1945 kamen viele Vertriebene nach Arnstadt, darunter zahlreiche Glashandwerker aus dem Sudetenland. Sie begründeten einen neuen Wirtschaftszweig in der Stadt, eine der ersten Glaswerkstätten entstand 1946 – mangels anderer Räumlichkeiten – in der „Concordia“.
Im Dezember 1947 wurde in den oberen Räumen des Hauses eine Wärmehalle für Frauen eingerichtet. In einigen Zimmern konnten Kinder unter einer Aufsicht ihre Hausaufgaben erledigen, eine Art Schulhort also. Laut Arnstädter Chronik wurde die „Concordia“ 1949 in „Liselotte-Herrmann-Heim“ umbenannt, die Bezeichnung war aber nicht von langer Dauer, denn wenig später prangte der Schriftzug „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ über dem Haupteingang.

Haus der DSF um 1950. Quelle: Schlossmuseum

Schon in den 50-er Jahren probten die „Teddys“ im Saal in der 1. Etage und tranken danach in der Gaststätte im Erdgeschoss ihr Feierabendbier. Zum echten „Beatschuppen“ aber entwickelte sich das Haus erst, nachdem es 1963 zum Jugendklubhaus in der Trägerschaft des Rates der Stadt wurde. Damit begann nicht nur eine rege Veranstaltungstätigkeit, sondern am Haus wurden zahlreiche Arbeitsgemeinschaften und Ensembles angesiedelt, die das Jugendleben in Arnstadt entscheidend mitprägen konnten.

Tanztee um 1970

Die „Birds“ probten und spielten hier, die „Tropics“ und „Eins plus fünf“. Die „Club-Band“ hatte sich sogar nach dem Jugendklubhaus benannt. Es gab damals nicht nur Tanzabende, sondern auch den „Tanztee“ am Sonntagnachmittag für das jüngere Publikum, manchmal mit bekannten Bands von außerhalb. Eigentlich war in dieser Zeit die Beatmusik in der DDR offiziell verpönt, Walter Ulbricht hatte 1965 den Beat zur Unkultur erklärt. Außerdem waren lange Haare und Jeans unerwünscht, die im DDR-Sprech „Niethosen“ genannt wurden. Doch in Arnstadt – und besonders im Jugendklubhaus – wurde das weitgehend ignoriert. Alle wussten, dass dort die heißesten Titel gespielt wurden, aber die Berichte an den Rat der Stadt wurden so abgefasst, dass alle zufrieden waren.

So hieß es in einem Bericht der Klubhausleitung über den Auftritt der „Unisonos“ und der „Nautiks“ im März 1970: „Das Auftreten der Kapellen war einwandfrei. (…) Das Benehmen der Jugendlichen (Besucher) war ohne Tadel – lustig, aufgelockert -, einem Jugendtanztee gemäß. Trägern von Niethosen wurde kein Einlass gewährt. Die Einlasskontrolle konnte, wie bei jeder derartigen Veranstaltung, in Anbetracht der großen Nachfrage und der zu kleinen Kapazität‚ ‚Schwarzbesuche‘ nicht unterbinden….“

Keine Niethosen erlaubt – Bericht über eine Tanzveranstaltung (Quelle: Stadtarchiv)
Arbeitsplan 1969

Der große Andrang und die geringe Platzkapazität waren die beiden Hauptprobleme des Hauses. Der Saal mit Bühne, der sich im ersten Obergeschoss (ohne Aufzug!) befand, fasste offiziell maximal 150 Besucher. Es gab kaum eine Tanzveranstaltung, die nicht ausverkauft war. „Im Durchschnitt finden jedes Mal 100 bis 150 Jugendliche keinen Einlass“, heißt es in einem Schriftwechsel von 1974.

Zu diesem Zeitpunkt waren schon mehrere Räume des Hauses gesperrt – wegen Schwammbefall. Die Toilettenanlagen befanden sich laut Bericht in einem „unmöglichen Zustand“, die Heizungsanlage war marode. Für eine grundhafte Sanierung aber war kein Geld da – und vor allem keine Baukapazität. In der DDR sollte eigentlich immer alles nach Plan gehen. Aber für das Jugendklubhaus hatte man keinen Plan.

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