Ade Concordia (3): Zwischen Schwamm und Wende

Fast fünf Jahre lang war das Jugendklubhaus in den 70-er Jahren wegen Schwammbefalls geschlossen. Weil es die Sanierung nicht in die offiziellen Pläne schaffte, wurde geschustert und geflickt, mit viel Eigenleistung von Jugendlichen.

Im April 1976 ging nichts mehr: Wegen Schwammbefalls und des schlechten Allgemeinzustandes wurde das Jugendklubhaus geschlossen. Baukapazitäten zur Sanierung und dem geplanten Neubau eines Seitenflügels gab es allerdings nur wenige, vieles sollte in Eigenleistung und mit „Feierabend-Brigaden“ erledigt werden. In einer Bauberatung zum Jugendklubhaus, deren Protokoll erhalten ist, fragte Bürgermeister Hermann Gibson demonstrativ einen Verantwortlichen: „Franz, wieviel Steine hast Du schon?“ Die Antwort war ausweichend. Man könne vielleicht Hohlblocksteine vom Wohnungsbaukombinat bekommen, ansonsten solle doch jeder bitte Initiative entwickeln.

Protokoll einer Bauberatung zum Jugendklubhaus. (Quelle: Stadtarchiv)

Entsprechend lief die Sanierung ab, die sich fast fünf Jahre hinzog. Wahrscheinlich wurde von der ursprünglichen Bausubstanz von 1846 dabei noch mehr beschädigt und vernichtet als bei der ersten Sanierung 1934. Das einzige Ziel war, das Jugendklubhaus so bald als möglich wieder zu eröffnen. Begriffe wie „Denkmalschutz“ tauchen in den Berichten und Protokollen gar nicht auf.

Bauskizze für die Sanierung. Quelle: Stadtarchiv

Im Jahr 1980, zum „Republikgeburtstag“ im Oktober, wurde das Haus endlich wieder eröffnet, auch wenn vieles noch gar nicht fertig war. Eine geplante Notstromanlage ging erst 1984 in Betrieb, im gleichen Jahr wurde auch endlich die Sanierung der Toilettenanlagen abgeschlossen. Neuen Innenputz gab es gar nicht, dafür reichte das Geld nicht. Dafür wurde eine „Glasvliestapete“ angebracht, um die Unebenheiten einigermaßen zu verdecken.

Nach dem Neustart mühte sich das Team um Klubhausleiterin Christine Bräutigam redlich, an Quantität und Qualität des Angebots vor der Schließung anzuknüpfen. Im Jahresbericht 1986 werden 7 ständige Arbeitsgemeinschaften erwähnt: eine eigene Band und ein Singeklub, ein Mode-, ein Foto- und ein Schachzirkel, eine Kraftsportgruppe und eine Arbeitsgemeinschaft Billard. Der Jahresplan 1984 weist Tanzveranstaltungen mit Gruppen wie den „Nautiks“ und „Universum“ aus Erfurt, „Rockphonie“ oder der „ZOE-Band“ aus. In der Gaststätte war zwei Mal wöchentlich Tanz.

Monatsplan 1985

Doch auch die politisch-ideologische Arbeit kam nicht zu kurz: 1983 fand die Festveranstaltung zum 100. Todestag von Karl Marx im Jugendklubhaus statt, die „Woche der Waffenbrüderschaft“ wurde regelmäßig gefeiert und die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) unterwies die Jugendlichen im Luftgewehrschießen.

Zunehmend spielten auch Vermietungen ein Rolle. Das Jugendtourist-Büro führte Reisebesprechungen im Haus durch, es gab Betriebsfeste und Geburtstagsfeiern, Gewerkschaft, FDJ oder Rat der Stadt nutzten die Räume tagsüber für Schulungen.

Dann kam die Wende – und erneut war nicht klar, was aus dem Jugendklubhaus werden würde. Zum Glück blieb das Haus in städtischer Trägerschaft und erlebte eine intensive Phase des Aufschwungs. Leider währte sie nicht lange.

So geht die Geschichte weiter

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