Freunde der Natur

Es wurde wieder ziemlich großflächig abgeholzt in Arnstadt, diesmal traf es ein Wäldchen am Fürstenberg und den Hang darunter. Es ist leider nicht das erste Mal, vor einem Jahr war der Alte Friedhof dran. Ein Besuch am Tatort.

Die Sache ist schon im Dezember passiert. Nachdem Arnstadts Bewerbung für die Landesgartenschau 2028 im Stadtrat beschlossen worden war, regte sich auf Facebook Kritik: Wie man das denn mit der „Zerstörung des Wäldchens am Rabenhold“ zusammenbringen könne? Mehrere Stadträte schalteten sich in die Debatte ein, es wurde sogar eine Stadtratsanfrage gestellt. Ich dachte damals: Wird schon nicht so schlimm sein. Die Stadtverwaltung hat doch hoffentlich aus dem Debakel um die Abholzungen am Alten Friedhof gelernt und geht nun mit den Bäumen  sorgsamer um. Und mit den Bürgern.

Doch dann kam gestern eine Pressemeldung aus dem Rathaus: „Aufräumarbeiten am Fürstenberg“. Die Kurzfassung: Man musste im Dezember am Hang oberhalb des Weges zur Fasanerie ein paar Bäume fällen, die sonst auf die dortigen Häuser gestürzt wären. Und um da von oben ranzukommen, mussten im Wäldchen am Rabenhold ein paar „Rückegassen“ freigemacht werden. Aber nun wird alles wieder aufgeräumt, das Wäldchen erhält Gelegenheit, sich zu erholen und nebenbei wird auch noch Grafitti von einem Denkmal entfernt.

Klingt eigentlich gut. Aber mich machen solche gut klingenden Meldungen immer etwas misstrauisch – und ich erinnerte mich an den Facebook-Eintrag vom Dezember. Deshalb bin ich heute mal hingegangen.

Zunächst zum Hang unter dem Fürstenberg am Weg zur Fasanerie, gleich hinter der ersten Schranke. Dort stehen unten mehrere Häuser, dahinter war ein kräftiger Baumbestand – auf städtischem Grund. ich habe dort mal gewohnt und war jeden Herbst genervt, dass wir das Laub von den städtischen Bäumen entsorgen mussten. Und sicher hätte man sie auch mal stutzen müssen, damit kein vom Sturm abgerissener Ast auf das Dach de Hauses knallt. Doch das ist in den vielen Jahren, die ich da wohnte, nie passiert.  Und meine Großmutter hat immer gesagt: Passt bloß auf die Bäume auf, dass die keiner wegmacht. Wenn die mal nicht mehr sind, kommt irgendwann der Hang runter.

Nun sind die Bäume weg. und zwar alle. So sieht der Hang jetzt aus:

Um diese Abholz-Aktion durchführen zu können, wurde mit schwerer Technik von oben gearbeitet. „Von oben“ heißt in diesem Fall: Durch das kleine Wäldchen neben den Plattenbauten am Rande des Rabenholdes. Dieses Wäldchen war ein Tobeparadies für Kinder und ein beliebtes Spaziergangsziel für die Anwohner, es hat sogar zwei kleine „Attraktionen“: Die Grundmauern eines fürstlichen Teehäuschens oberhalb der Stadtbrauerei, von wo man einen herrlichen Blick über das Geratal hat – und ein Gedenkstein  für den Pädagogen und Naturwissenschaftler Gottlieb Döbling, der dort einst sein Gartenhäuschen hatte.  Gestiftet wurde der Stein von den „Freunden der Natur“, was irgendwie passend war in diesem urwüchsigen Eckchen.

Bei  der Abholzaktion am Hang darunter hat sich das Wäldchen ziemlich verändert.

Hier standen mal Bäume.
Freier Blick durch eine der „Rückegassen“ auf den umstrittenen Neubau im Lohmühlenweg.

Ich zitiere aus der gestrigen Rathaus-Mitteilung: „In den nächsten Jahren wird sich das kleine Wäldchen erholen und erneuern.“ Man kann dem Wäldchen dabei nur viel Glück wünschen. Denn ohne Neuanpflanzungen, so hab ich mal von einem Förster gelernt, dürften die gerodeten Stellen gnadenlos verbuschen.

Aber zumindest wird jetzt etwas aufgeräumt. Und die Schmierereien am Döbling- Denkmal werden entfernt. Damit man „Freunde der Natur“ wieder richtig lesen kann.

Anmerkung: In der ersten Fassung des Beitrags stand, dass vorher nicht informiert worden sei. Das ist nicht richtig. Zumindest über  Fällungen im „Fürstenwäldchen“ (und ihre Verschiebung) wurde vorher informiert.

3 Gedanken zu „Freunde der Natur“

  1. Die in den Bildern dargestellten Holzeinschlagsarbeiten zeigen einen Kahlschlag, nach Waldgesetz Genehmigung pflichtig. Warum noch zusätzlich Rückengassen angelegt werden müssten, ist für mich als ehemaliger Förster nicht nachvollziehbar. Der Thüringer Forstwissenschaftler Gottlob König schrieb Mitte des 19. Jahrhundert : „Der Fall des ersten Baumes ist der Beginn des Ende der Menschheit. Der Fall des letzten Baumes das Ende der Menschheit. Der Zeitpunkt des letzteren liegt in unserer Hand“. (Königs Mahnung an die Regierungen der Länder).

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