Das runde Wunder

Der Astronom Günter Loibl weiß nicht genau, ob er den Mond mehr mit dem Kopf oder mit dem Bauch mag. Er hat seit seiner Jugend schon so manche Stunde mit der Beobachtung des Erdtrabanten verbracht, ob auf der Erfurter Cyriaksburg oder jetzt in seiner Wahlheimat Espenfeld. Aber hin möchte er nicht unbedingt.

Bei Loibls gab es zu Hause einen Volks-Brockhaus. In der Ausgabe von 1935 hat der kleine Günter gern geblättert, eine Bildseite hatte es ihm dabei besonders angetan. Sie beschäftigte sich mit dem Mond. Und ein kleines Bild zeigte die Gegend um das Meer der Stille, wo 1969 der erste Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte.

Später hat Günter Loibl als Astronom selbst wesentlich bessere Fotos von dieser Mondregion schießen können, aber die Faszination ist geblieben, wissenschaftlich wie emotional. Die Romantik einer schönen Mondnacht berührt mich nach wie vor, sagt der jetzt in Espenfeld beheimatete Günter Loibl. Wenn im Hochsommer über dem schwarzen Wald der Mond sehr tief steht, dann kommt mir unweigerlich Matthias Claudius in den Sinn. Dazu dann noch der erste Satz von Beethovens Mondscheinsonate, das ist dann schon fast kitschig. Aber schön.
Das Emotionale in mir bedauert eigentlich die Mondfahrerei, sagt Loibl. Der Mond wird entzaubert, aber da kommen wir nicht drumrum.
Schon als Schüler begann er Fernrohre zu basteln, zunächst mit Brillengläsern. Da ist der Mond das erste Observationsobjekt. Die Fernrohre wechselten, aber der Mond blieb. Es sei eine total fremde Welt, auf die wir da schauen. Immer schönes Wetter, keine Atmosphäre. Und jedes Mal, wenn man hinschaue, sieht der Mond ein wenig anders aus.
Natürlich hat er damals 1969 die Mondlandung verfolgt. Aber das emotional stärkere Erlebnis war die Mission von Apollo 8 über Weihnachten 1968. Damals verließ erstmals ein Raumschiff die Erdumlaufbahn und machte sich auf den Weg zum Mond. Zwar umkreiste es den Trabanten nur, aber gerade das machte die Faszination für Loibl aus. Erstmals gab es richtig gute Bilder von der Mondrückseite ( und vor allem von der Erde, wie sie hinter dem Mondhorizont aufstieg. So klein und zerbrechlich hatte ich die Erde bis dahin nie gesehen.

Von einer eigenen Reise zum Mond hat Günter Loibl höchstens als Kind geträumt. Ich bin eher ein bodenständiger Typ. Er muss auch nicht hinfliegen, er hat sein Observatorium direkt am Haus und kann sich den Mond so nahe ranholen, dass man schon fast glaubt, man könne ihn greifen. Und auch, wenn schon Menschen dort oben waren, bleibt der Mond für den Astronomen ein Wunder. Denn ohne den Erdbegleiter, der eigentlich rein wissenschaftlich gar kein Mond ist, gäbe es wohl kein Leben auf der Erde. Und niemanden, der Gedichte wie Claudius oder Musik wie Beethoven über ihn schreiben könnte.

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