Für die Töchter der Stadt

Vor 125 Jahren wurde die städtische höhere Mädchenschule in Arnstadt gegründet – auch für Knaben. Schon 1857 gab es die erste höhere Mädchenschule in Arnstadt. Doch erst Ostern 1885 wurde die Einrichtung von der Stadt übernommen – und bekam später sogar ein eigenes Haus.


Die Geschichte der höheren Mädchenschule in Arnstadt beginnt 1857, als auf Veranlassung der fürstlichen Staatsregierung eine solche Anstalt ins Leben gerufen wurde. Allerdings hatte sie nur eine kurze Lebensdauer. Weil zum Beispiel weder Englisch, Turnen noch Handarbeit angeboten wurde, war das Interesse gering, schon 1860 wurde die Schule wieder geschlossen. Es gab dann einige private mehr oder wenige erfolgreiche Initiativen, bevor sich Ostern 1885 die Stadt entschloss, zwei der Privatschulen zu übernehmen und sie fortan als Städtische höhere Töchterschule zu führen. Als Schulhaus fungierte zunächst das ehemalige Barfüßerkloster, das später evangelisches Gemeindehaus wurde. Im ersten Jahr gingen 91 Mädchen in die sechs Klassen – und 14 Jungen, die von einer der beiden Privatschulen kamen.

Im 21. Jahr ihres Bestehens erhielt die Schule endlich ein eigens für sie errichtetes Haus. Am 15. Oktober 1906 wurde das Gebäude am damaligen Harmonieplatz (heute Lindenallee) von Oberbürgermeister Harald Bielfeld übergeben. Ab 1912 hieß die Schule dann Städtisches Lyzeum – nachdem die Stadt die Mittel für eine Schulreform bewilligt hatte.

Die detaillierten Informationen über die Geschichte der höheren Mädchenschule sind dem Studiendirektor und Schulleiter Rudolf Liebeskind zu verdanken, der anlässlich des 50. Geburtstages der Schule im Jahr 1935 einen kleinen geschichtlichen Abriss aus den Jahresberichten der Anstalt verfasste. Aus diesem Gedenkjahr stammt auch das Stimmungsbild, das die ehemalige Schülerin Clara Eichler über ihre Erinnerungen an das Eröffnungsjahr niederschrieb. Darin ist von einer offenen und heiteren Atmosphäre zu lesen – und sogar von einigen Streichen, die sich die Lehrer untereinander spielten. So wurde einer von ihnen damit genarrt, dass Fürst Karl Günther in der Schule sei und seine Klasse besuchen wolle. Als es dann klopfte, verharrte der Lehrer Meyer so lange in untertäniger Verbeugung, bis ihn sein Kollege Schramm über den Irrtum aufklärte. Wer das heute liest, fühlt sich irgendwie an die Feuerzangenbowle erinnert.

Alle Beiträge früherer Schüler und Lehrer, die sich in der Festschrift von 1935 wiederfinden, sind von Sehnsucht nach der Vergangenheit geprägt. Die Gegenwart 1935 hingegen bot zum Beispiel Debatten darüber, ob BDM-Uniformen in der Schule getragen werden dürfen.

Ohnehin hatte das Lyzeum damals die besten Zeiten schon hinter sich. 1945 wurde es aufgelöst und zur Käthe Kollwitz-Schule, nach der Wende schließlich Pestalozzi-Schule.

Aktuell ist die Zukunft des Gebäudes, das schon als Filmkulisse diente, nicht mehr ganz so ungewiss wie noch vor einiger Zeit. Die Fachhochschule Kunst zieht gerade in das Haus ein – und will ab Oktober  2010 in dem Gebäude mit der großen Vergangenheit den Studienbetrieb aufnehmen.

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