Bambinos Briefe

Otto Knöpfers "Königsblick" - allerdings hier vom Künstler seitenverkehrt wiedergegebenIn der Ausstellung „Spurensuche“, die gegenwärtig im Arnstädter Schlossmuseum zu sehen ist, findet sich auch ein Briefwechsel zwischen dem Maler Otto Knöpfer und seiner Jugendliebe Marianne Gräfe. Sie zeigen einen Menschen Otto Knöpfer, der vielen Bewunderern so nicht bekannt sein dürfte. In Arnstadt jedoch schon.

1937 schrieb Marianne Gräfe eine Ballade, die sie „Bambino“ nannte:

„Freunde hat er überall
ungezählt an Wert und Zahl.
Doch am meisten sind’s die Frauen
die begehrlich nach ihm schauen
selbst dann noch, wenn er sie betrogen
durch geheime Liebelein
fühlen sie sich hingezogen
und vermögen zu verzeihn.“

Es spricht daraus gleichermaßen Bewunderung wie Resignation, der Mann, um den es in der Ballade geht, scheint ihr sehr nahe gestanden zu haben.
Das ist tatsächlich so. Und der Schwerenöter war kein geringerer als der Maler Otto Knöpfer, dessen 100. Geburtstag gerade nicht nur in seiner Heimatregion gefeiert wird.

Die Erinnerung nicht nur an diese Ballade ist unter anderem der Ausstellung „Spurensuche“ im Arnstädter Schlossmuseum zu verdanken, in der auch zahlreiche Briefe von Knöpfer an Marianne Gräfe gezeigt werden, die sie noch zu Lebzeiten dem Museum zur Verfügung stellte. Und in dem äußerst empfehlenswerten Katalog zur Ausstellung hat die Museumsmitarbeiterin Helga Scheidt diese Briefe nicht nur kommentiert, sondern eben auch jene Ballade zitiert.

Die entstand zu einer Zeit, als sich Otto und Marianne seit einem Jahr kannten. Aber die Jugendliebe der beiden sah Otto Knöpfer wohl zu diesem Zeitpunkt schon als beendet an. Er wollte Marianne gern behalten – aber nur als Freundin. Eine Sicht, die Marianne Gräfe, die später Frau König wurde, wohl nicht nur damals nicht teilen wollte. Aber das Werben Knöpfers um den neuen „Beziehungsstatus“ spiegelt sich in den Briefen, die er ihr damals schrieb, wider. Sie sind zugleich lebendige Beschreibungen seiner damaligen Visionen, Einstellungen und Ängste, denn er schrieb sie aus Berlin von der Ausbildung, auf Studienaufenthalten im Ausland oder auch in seiner Zeit als Soldat in Frankreich.

Da war Otto Knöpfer schon längst mit Erna verheiratet. Geschlossen 1940, hielt die Ehe ein Leben lang. Wohl aber auch wegen der großen Toleranz der Ehefrau, denn das von Marianne Gräfe in ihrer Ballade beschriebene Leben führte Knöpfer auch in der Ehe weiter. Davon können viele, die ihn als Lehrer und Künstler auch in seiner Zeit als Leiter des Arnstädter Zirkels erlebten, berichten. Es kam schon vor, dass die Zirkelnachmittage deutlich später beginnen mussten, weil der liebe Otto vorher noch einen „Einzelunterricht“ bei einer Schülerin gegeben hat, berichten Teilnehmer.

Die Freundschaft zu Marianne hielt aber ebenfalls ein Leben lang. Dass sie nicht unproblematisch war, zeigen die missglückten Versuche, von Marianne König ein Porträt anzufertigen. Helga Scheidt schreibt im Katalog zur Ausstellung von zehn Sitzungen zwischen 1972 und 1977, die aber am Ende ohne Ergebnis blieben. Dafür verdankt die Nachwelt diesen Sitzungen zahlreiche Arnstadt-Ansichten, die Knöpfer aus dem Fenster der Königs in der Karl-Marien- Straße anfertigte. Der Künstler nannte diese Aussicht den „Königs- Blick“.

Marianne war mehr als nur die Jugendliebe eines bekannten Künstlers. Mit den Puppen, die sie entwarf und gestaltete, wurde die Kunsthandwerkerin Marianne König in der DDR selbst zu einer bekannten und geschätzten Künstlerin. Aber das ist eine andere Geschichte.

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