Über den Atlantik

Die Arnstädter Taubenfreunde vor dem neuen GrabsteinAuf dem Arnstädter Friedhof steht nun wieder ein Gedenkstein für den über die Region hinaus bekannten Taubenzüchter Otto Friese. Zu verdanken ist dies vor allem dem Engagement von zwei Leuten, die sich noch nie gesehen haben, weil sie tausende Kilometer entfernt voneinander wohnen  – und einer verständnisvollen Mitarbeiterin der Arnstädter Stadtverwaltung.

Es gibt sie wirklich, die Geschichten mit einem guten Ende. Diese beginnt im Januar 2011, als der Ex-Arnstädter Bernd Licht aus Kanada zu Besuch war und auf dem Friedhof nach dem Grab eines Mannes suchte, der ihn als Taubenzüchter stark beeindruckt hatte: Otto Friese. Der hatte in den 20er-Jahren den Arrnstädter Verein geleitet, der damals eine Hochburg der Taubenzucht war. Und wie Licht in einer Fachzeitschrift erfahren hatte, war Friese auch der Züchter der seltene Rasse der Thüringer Goldkäfer. Nur seinen Grabstein, von dem ein Bild in jener Fachzeitschrift zu sehen war, den gab es nicht mehr auf dem Friedhof.

Licht fand damals, das Gedenken an Friese müsse in Arnstadt wieder einen Ort bekommen. Und es wurde über seinen Besuch und dieses Ansinnen berichtet. Nur einige Monate später fanden sich jetzt  etwa 20 Taubenfreunde auf dem Friedhof ein. Am neuen Gedenkstein für Otto Friese. Und zwei waren sogar mit Tauben gekommen.

Zu verdanken ist das vor allem dem Engagement von drei Menschen: Bernd Licht gab den Anstoß, aber den Arnstädter Züchter Michael Seever ließ die Sache seitdem nicht mehr los. Er wühlte in den Archiven nach Informationen über Friese – und er fragte bei der Arnstädter Friedhofsverwaltung nach, was man denn machen könne.

Und da kommt Undine Swatek ins Spiel: Die Sachgebietsleiterin in der Stadtverwaltung hatte schon von Bernd Licht bei dessen Besuch von Friese erfahren. Und sie hatte auch einen Stein und eine Idee, wo er aufgestellt werden könnte: Ganz in der Nähe seiner früheren Grabstelle, die leider von der Familie aufgegeben worden war.

Michael Seever und Bernd Licht haben sich bis heute nie gesehen. Aber es gab viele Telefonate über den Atlantik, meist sehr spät wegen der Zeitverschiebung. Seever organisierte, dass der Stein von der Firma Vogler in Dienstedt bearbeitet und mit einer Inschrift versehen wurde. Die Stadtverwaltung hat die Aufstellung unkompliziert unterstützt, die Kosten dafür hat der Wahl-Kanadier Bernd Licht übernommen.

Nun kann man das Ergebnis auf dem Friedhof sehen. Ein Stein, sehr ähnlich dem ursprünglichen, erinnert nun an Otto Friese. Und zur Einweihung am Donnerstag konnte zwar von den drei Hauptakteueren nur Michael Seever anwesend sein, dafür waren aber viele Mitglieder des „Vereins für Rassegeflügelzucht Arnstadt und Umgebung 1880“ sowie Züchter aus der ganzen Region gekommen – zwei sogar mit ihren Tauben. Peter Stötzer aus Vieselbach hatte eine „Coburger Lerche“ dabei und Hans-Heinrich Fischer aus Behringen „Thüringer Goldkäfer“. Beide Rassen sind mit dem Namen Otto Friese verbunden. Wie eng, lässt sich wohl nicht völlig aufklären. Friese war keiner, der sich gern in den Vordergrund drängte.

Thomas Stötzer, Vorsitzender des Thüringer Landesverbans der Rassegeflügelzüchter, dankte Michael Seever für sein Engagenment. Der Gedenkstein sei ein Signal, welchen Stellenwert Traditionspflege in Arnstadt genieße und und welche Bedeutung die Rassegeflügelzucht hier schon zur Zeit Otto Frieses gehabt habe.

Michael Seever dankte vor allem Bernd Licht. Der habe den Anstoß gegeben, „dass nicht alles, was früher war, vergessen wird“. Sein Wunsch wäre allerdings, dass sich beide mal persönlich kennenlernen.

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