Kämmererkummer

Mit Stadtkämmerern hat Arnstadt irgendwie kein Glück. Jeder hatte so seine Eigenheiten, eine pünktliche Haushaltsaufstellung gehörte allerdings nicht dazu. Dieses Jahr hat es endlich mal geklappt. Mit dem Bürgermeister als Kämmerer.

Es war einmal ein Arnstädter Stadtkämmerer, der ein guter Finanzfachmann gewesen sein soll. Nach außen hin war davon nichts zu merken, in die Schlagzeilen kam nur, dass er seine Mitarbeiter gemobbt und hintenrum über den damaligen Bürgermeister schlecht geredet haben soll.  Der warf ihn daraufhin raus, die Sache kam sogar vor das Verwaltungsgericht Meiningen. Das befand, dass an den Vorwürfen wohl was dran sei, es für einen Rauswurf aber nicht reiche. Der Beamte ist noch immer in der Stadtverwaltung beschäftigt, allerdings seitdem haushaltsfern und weitgehend ohne Mitarbeiter.

Der nächste Kämmerer machte Rathaus-intern vor allem dadurch von sich reden, weil er nach der Rathaussanierung sein Büro nicht beziehen wollte, weil es angeblich schlecht für seine Gesundheit sei. Er zog dann in den Keller, wo er auch vorher schon öfters hingegangen war: zum Lachen.

Dann kam ein junger Mann, dem alle viel zutrauten. Was ihm keiner zugetraut hatte: Dass er schon bald wieder ging.

In diesen Tagen hätte ein neuer Kämmerer anfangen sollen. Das Auswahlverfahren war durch, aber als es zum Vertragsabschluss kommen sollte, sagte der ausgewählte Kandidat ab. Sein alter Arbeitgeber hatte ihm wohl mehr Geld geboten.

Es ist nicht die einzige offene Personalflanke des neuen Bürgermeisters Frank Spilling. Er hat derzeit keinen Beigeordneten, keinen Kämmerer,  keinen Leiter des Baubetriebshofes und noch ein paar andere unbesetzte Stellen. Zwar sind die Verfahren zur Neubesetzung alle auf den Weg gebracht, aber das kann dauern, zumal zumindest in einem Fall auch noch auf einen Gerichtsentscheid gewartet werden muss. In diesem Jahr, sagte Spilling im Stadtrat, wird das alles nichts mehr.

Sprachs und legte den verblüfften Stadträten einen fast vollständigen Haushaltsentwurf für 2019 vor. Die Verblüffung rührte nicht nur daher, dass ihm das ohne Kämmerer keiner zugetraut hätte.  Es ist wohl in den vergangenen 20 Jahren noch nie vorgekommen, dass ein Haushaltsentwurf so früh eingebracht wurde. So früh, dass sogar noch eine Verabschiedung vor Beginn des Haushaltsjahres  möglich wäre. Das hatte es mit Kämmerer noch nie gegeben.

Jetzt hat es ohne Kämmerer geklappt. Mit maßgeblicher Unterstützung der Mitarbeiterinnen aus der Kämmerei, denen Spilling ausdrücklich persönlich dankte. Das habe ich auch noch nie erlebt.

Ich weiß nicht, was dieser Haushaltsentwurf taugt und kenne auch einen im Stadtrat, der garantiert schon mit der Suche nach Haaren in der Suppe begonnen hat. Aber der Entwurf ist ausgeglichen und wartet sogar mit ein paar neuen Ideen auf. So sollen die Autos der Stadtverwaltung künftig geleast und nicht mehr gekauft werden und Feuerwehrleute sollen eine bescheidene Prämie erhalten, wenn sie zum Einsatz ausrücken.

Das Wichtigste aber: Spilling verspricht den Arnstädtern, dass die düsteren Zeiten vorbei sind. Es soll keine Streichlisten mehr bei Kultur und Vereinen geben und sogar Spielräume für neue Investitionen.

Frühere Haushalts-Einbringungsreden der Kämmerer sind mir kaum erinnerlich, weil sie überwiegend mit erhobenen  Zeigefinger, aber im übrigen lustlos vorgetragen wurden. Bei der diesjährigen Einbringungsrede war ich irgendwie froh, dass wir gerade keinen Kämmerer haben. Aber ich hoffe, wir kriegen bald wieder einen. Einen richtigen, der auch bleibt.

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