Die Listen

Wer in den Arnstädter Stadtrat möchte, muss sich bis zum 12. April bewerben.  Acht Listen sind schon aufgestellt, so viele wie nie zuvor. Auf einer gibt es nur fünf Kandidaten, andere sind fast stadtratsfüllend.  Ein kurzer Überblick – in der Reihenfolge der Listenverabschiedung.

Pro Arnstadt
Die ListeÜberraschend: Eine Frau unter den Top Ten. Sogar auf Platz 2!

Listenlänge: Gigantisch. Länger kann keiner.
Frauenanteil: 16 Prozent. Vom Alkoholgehalt wäre es Wermut.
Altersfaktor: Eher gesetzt.
Wie schon immer ist die Liste von Pro Arnstadt von überwiegend älteren Männern dominiert, aber wenigstens bekam Pro-Arnstadt-Chefin Cornelia Schmidt diesmal Platz 2 und kann damit auch von Listen-Stimmen profitieren. Der größte Erfolg  der Wählervereinigung ist sicher, dass weder Stefan Buchtzik noch jemand anderes zur AfD wechselt, wonach es lange aussah. Überraschende Kandidaturen gibt es nicht, aber es stehen eine ganze Reihe von Ortsteil-Bürgermeistern und Politikern aus dem Wipfratal auf der Liste.
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Die Linke
Überraschend: Drei Frauen weit vorn, Jens Petermann fehlt.
Listenlänge: Wie Pro Arnstadt, die einzige Gemeinsamkeit.
Frauenanteil: Mit fast 47 Prozent Spitze. Darauf einen Whisky.
Altersfaktor: Es gibt junge Gesichter. Aber auch alte Bekannte.
Es ist eine interessante Liste, mit vielen Veränderungen gegenüber 2014. Man spürt die Absicht der Erneuerung. Spannend wird, wer davon in den Stadtrat kommt und wer nicht. Davon wird abhängen, ob in der Fraktion weiter der Individualismus einiger weniger dominiert – oder ob sich Teamgeist entwickeln kann.
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FDP
Zur Liste Überraschend: Die Kandidatenzahl. 2014 waren es nur vier.
Listenlänge: Dass es hier so viele FDP-Mitglieder gibt….
Frauenanteil: 16 Prozent.  Also auch im Wermutbereich.
Altersfaktor: Von Student bis Rentner.
Mit der Arnstädter FDP war in der Vergangenheit nicht viel los, Christian Stonek saß als Einzelkämpfer meist still im Stadtrat. Die aktuelle Liste ist nicht nur viel länger als die von 2014, sondern es stehen auch einige interessante Namen drauf. Aber um ihnen eine Chance zu bieten, müsste die FDP mit einem guten Programm richtig Wahlkampf machen. Sonst bleibt es beim Einzelkämpfer. Wenn überhaupt.
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SPD
Überraschend sind nur die Zugänge aus dem Wipfratal.
Listenlänge: So mittel. Sieht nach Realismus aus.
Frauenanteil: 30 Prozent. Als Wahlergebnis wäre das toll.
Altersfaktor: Arnschter Schnitt.
Durch die zwei neuen Kandidaten aus dem Wipfratal auf aussichtsreichen Plätzen sieht die Liste frischer aus als sie ist. Alle anderen sind alte Bekannte. Aber vielleicht ist das Setzen auf Kontinuität in diesen Zeiten gar kein so schlechtes Rezept. Und die Liste kam ohne nach außen hörbare Auseinandersetzungen zustande. Das ist beim Zustand der SPD auf Bundes- und Landesebene schon ein Wert an sich.
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Bürgerprojekt
Überraschend: Ein bisschen, dass der Ex-Bürgermeister antritt.
Listenlänge: Man müsste nochmal 30 sein.
Frauenanteil: Knapp 30 Prozent. Mittlere Likör-Liga.
Altersfaktor: Wir werden alle nicht jünger.
Einige prominente Namen von 2014 fehlen, dafür ist nun der ehemalige Bürgermeister hinzugekommen.  Es wird sicher enger für das Bürgerprojekt in diesem Wahlkampf, denn die neu hinzugekommene Grüne Liste zielt auf das gleiche Wählerpotenzial.
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AfD
Überraschend: Eigentlich alles.
Listenlänge: Mehr ist halt nicht.
Frauenanteil: Was für Frauen?
Altersfaktor: Generation Anorak.
Zur AfD-Liste und ihren Auswirkungen  ist schon alles gesagt. 
Interessant ist vielleicht noch, dass es nach der Nominierung in Arnstadt eine AfD-Demo gab, auf der nach meiner Kenntnis keiner der Stadtratskandidaten das Wort ergriffen hat. Die Demo stand übrigens unter dem Motto: „Gegen Hass und Hetze“.
Ich finde, das sollte man sich merken.
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Update 25. April:  AfD-Spitzenkandidat Matthias Hansel hat seine Bewerbung zurückgezogen. Die AfD tritt zur Stadtratswahl nur mit vier Kandidaten an.

CDU
Zur ListeÜberraschend: Dass Jürgen Hoffmann nicht draufsteht.
Listenlänge: Wie Bürgerprojekt. Auch mit  Ex-Bürgermeister. 
Frauenanteil: 20 Prozent. Wenigstens mehr als Sherry.
Altersfaktor: Von 20 bis 79, aber überwiegend Mittelalter.
Fast alle Fraktionen im Stadtrat haben ein Problem  mit Individualisten, die sich selten  an Absprachen halten und wenig teamfähig sind. Insofern hat die CDU mit dieser Liste einen Schritt  in Richtung Geschlossenheit und mehr Berechenbarkeit gemacht. Es gibt interessante Neuzugänge, die das Wählerpotenzial erweitern könnten. Ob das bei der größer gewordenen Konkurrenz gelingt, hängt vom Wahlkampf ab.
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Bündnisgrüne offene Liste für Arnstadt
(die heißt wirklich so umständlich, ich kann nichts dafür)
Zur ListeÜberraschend: Dass es in Arnstadt eine grüne Liste gibt.
Listenlänge: Fußballmannschaft oder Elferrat.
Frauenanteil: 45 Prozent. Wie ein guter Gin.
Altersfaktor: Junge Spitze, sonst eher reif.
Grün liegt im Trend, also kann man es im bisher nicht allzu grünen Arnstadt auch mal versuchen. Die meisten Namen auf der Liste kennt man irgendwie, wenn auch nicht unbedingt in Zusammenhang mit der grünen Partei.  Das kann ein Vorteil sein,  erhöht aber zugleich die Verwechselbarkeit mit dem Bürgerprojekt. Dass es mit diesem eine engere Zusammenarbeit geben wird, ist nicht zu erwarten. Denn es gibt da eine innige Feindschaft zwischen zwei Kandidaten auf vorderen Plätzen.
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