Im Feindesland

Ab heute haben die Ilmenauer den Arnstädter Busverkehr organisatorisch übernommen. Aber die Kämpfe mit dem Arnstädter Unternehmen RBA dauern an, die Schützengräben sind deutlich sichtbar. Wenn man  etwas Positives sagen kann: Es fahren Busse.

Kurz vor zwölf stehen fünf Busse am Arnstädter Bustreff an der Weiße. Sie sind mit Buchstaben wie „C“ oder „D“ gekennzeichnet. Die Arnstädter Stadtlinien haben eigentlich Zahlen.

„Was ist denn das für ne Linie?“ fragt eine Frau und blickt suchend auf die elektronischen Anzeigetafeln. Doch dort steht – nichts. Oder „Liebe Fahrgäste zur Zeit liegen keine aktuellen Fahrten an diesem Bahnsteig vor.“ Auch in den Schaukästen auf den Bussteigen nur alte Informationen des Arnstädter Busunternehmens RBA, das nur noch als Subunternehmer  im Geschäft ist. Deshalb hat auch das Informationscenter am Bustreff schon seit vergangener Woche geschlossen, es wurde von der RBA betrieben.

Der Arnstädter Bustreff ist Feindesland für den jetzt für den gesamten Kreis zuständigen Ilmenauer IOV. Er hat es bisher mit keiner Information geschafft, dort präsent zu sein. Weder mit einem Fahrplan noch mit einem Hinweis, dass nun alles anders ist.  „Wo gibts denn jetzt einen Fahrplan?“, fragt einer und wird von einer Frau belehrt, dass jetzt alles am Hauptbahnhof zu haben sei, im Reisecenter. Für Arnstädter weit ab vom Schuss, als Buszentrum hat sich in den vergangenen Jahren der Bustreff an der Weiße etabliert. Dort wurde geschwatzt, umgestiegen, zur Toilette gegangen, nach dem Fahrplan geguckt, alles im Verantwortungsbereich des RBA. Der Arnstädter Hauptbahnhof ist bestenfalls eine Umstiegsmöglichkeit zum Zug – und hat keine Toilette.

Die junge Frau im Reisecenter am Hauptbahnhof bedauert die Unannehmlichkeiten. Das mit den Buchstaben an den Bussen sei nur eine Umstellungssache, in den nächsten Tagen würden wieder die gewohnten Nummern für die Arnstädter an den Bussen erscheinen. Warum hat man das nicht vorbereitet, will ich fragen, verkneife es mir aber. Die junge Frau kann ja nichts dafür.

Die elektronischen Anzeigetafeln am Bustreff allerdings würden dauerhaft aus bleiben, erfahre ich. Wahrscheinlich gehören sie dem RBA. Und warum hängen dann nicht wenigstens Informationen über die geänderten Konditionen (zB Fahrpreise) und aktuelle Fahrpläne in den Schaukästen am Bustreff aus? Das werde sie weitergeben, verspricht die junge Frau und gibt mir ein 208 Seiten starkes Fahrplanheft, gültig vom 1. 7. bis 17. 8. 2019. „Aber eigentlich hat sich gar nicht viel geändert“.

Am Bustreff  diskutieren derweil die Wartenden den neuen Fahrplan. Eine Sauerei sei das, dass die Stadtfahrt schon wieder teurer geworden sei, sagt einer. Eine Frau schimpft, dass die beim RBA gekauften Tickets ab heute nicht mehr gültig sein sollen. „Stimmt nicht“, sagt ein Mann, die haben sich irgendwie auf eine Übergangszeit geeinigt“. „Und warum steht hier nirgends was davon?“ , fragt die schimpfende Frau.  Allgemeines Schulterzucken, dann steigen alle in die wartenden Busse ein. Da stehen zwar komische Buchstaben dran, aber der Fahrer verspricht, dass alles seine Richtigkeit habe.

Eigentlich bin ich ein Befürworter eines kommunalisierten Busverkehrs. So, wie ich auch das Trinkwasser oder die Eisenbahn für etwas halte, das nicht in die Hände von gewinnorientierten Unternehmen gehört. Aber so, wie die Kommunalisierung des Busverkehrs im Ilmkreis bisher gelaufen ist, schäme ich mich ein bisschen. Für den IOV, für das Landratsamt und auch für den RBA. Sie haben wohl alle wacker um die große und ihre eigene Sache gekämpft, aber vergessen, für wen sie das eigentlich tun sollten: für die Leute, die auf die Busse angewiesen sind und manchmal sogar ganz gern mit ihnen gefahren sind.

Es sind zwar Busse gefahren heute, aber der Rest ist eine Schande.

4 Gedanken zu „Im Feindesland“

  1. Hallo Herr Pfeiffer
    Ein sehr guter sachlicher Artikel.
    Da das Startdatum fest stand, hätte man sich besser vorbereiten sollen.
    Leider wurde wohl mehr das Augenmerk auf Säbel rasseln gelegt.
    Für alle Beteiligten ist das kein Ruhmesblatt.
    S. Mergell

  2. Nun sind die kleinen Dörfer im ehemaligen Wipfratal endgültig von der Kreisstadt abgeschnitten. Vor dem Busdesaster ist wenigstens 2 x die Woche ein Bus um 9:00 Uhr nach Arnstadt und Mittags wieder nach Hause gefahren, aber nun muss man früh morgens mit dem Schulbus nach Arnstadt, kommt jedoch nicht mehr nach Hause. Das nenne ich Fortschritt. Eingliederung nach Arnstadt, aber nicht einmal der ÖPNV interessiert sich dafür. Wir sind nicht willkommen. Traurig. Ich bin maßlos enttäuscht. Es hat doch funktioniert mit dem RBA.

  3. Naja, das haben die Gehlberger so gewollt. Sie wollten mehrheitlich nach Suhl und raus aus dem Ilmkreis. Samt dessen Busverkehr.

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