Das Job-Wunder

Triebwerksschaufel bei N3 am Erfurter KreuzEs liegt wieder einmal eine gute Nachricht in der Luft. Am Erfurter Kreuz, so hört man in der Stadt, werde es demnächst eine Neuansiedlung geben. Wie groß, ist noch nicht ganz klar. Aber jedenfalls seien die Verhandlungen schon recht weit gediehen. Die Region ist schon gewöhnt an solche guten Nachrichten.

Erst eine Woche ist es her, dass die Firma IHI bekannt gab, ihr Werk weiter ausbauen zu wollen. Und was sich gegenwärtig bei Bosch Solar tut, hätte sich vor einigen Jahren noch niemand zu träumen gewagt. Am Erfurter Kreuz befindet sich nun auch praktisch die Solar-Zentrale dieser großen Firma, die Beschäftigtenzahlen sind vierstellig und es wird vor allem nicht nur gebaut, sondern auch entwickelt.

An Borg-Warner, Masdar oder Gonvauto hat man sich gewöhnt und an die Tatsache, dass Triebwerke nicht nur der Airbusse auf Arnstädter Territorium gewartet werden. „N 3“ ist ein Aushängeschild des Erfurter Kreuzes, aber beileibe nicht die einzige, überregional bedeutsame Firma. Es brummt vor den Toren Arnstadts und Ichtershausens. Das ist seit einigen Jahren Alltag. Und es gab, trotz der großen Zahl der Ansiedlungen und obwohl zwischendurch eine große Krise nicht nur über Deutschland kam, keine grundsätzlichen Rückschläge. Niemand, der sich am Erfurter Kreuz angesiedelt hat, machte diesen Schritt wieder rückgängig oder musste gar Insolvenz anmelden.

Zwar kamen einige Betriebe an Kurzarbeit nicht vorbei, doch im Vergleich zu anderen deutschen Regionen geht der Trend seit Jahren aufwärts.

Diese Entwicklung begann 2004 mit der Entscheidung von Lufthansa und Rolls Royce, ihre gemeinsame Tochterfirma „N 3“ am gerade in der Entstehung begriffenen Erfurter Kreuz anzusiedeln. Es war eine Zeit, da die Region Arnstadt lange Zeit die rote Laterne bei den Arbeitsmarktdaten im damaligen Arbeitsamtsbereich Erfurt innehatte, die Arbeitslosigkeit lag zum Teil deutlich über 20 Prozent. Nur um Artern war die Lage noch düsterer. Und eigentlich glaubte auch niemand hier so recht an eine Besserung, waren doch – mit Ausnahme des Gewerbegebietes Thörey – Ansiedlungen in der Region Mangelware. Mit Chema und RFT waren die größten Firmen der Region nach der Wende verschwunden oder marginalisiert. Und die Stimmung war auch über zehn Jahre später noch immer eher düster.

Man kann kaum glauben, dass dies erst wenige Jahre her ist. Bei der jüngsten Vorstellung der Arbeitsmarktdaten in der vergangenen Woche lag Arnstadt zum zweiten Mal in Folge unter 10 Prozent, wenn auch nur knapp. 2907 Menschen waren arbeitslos. Das ist immer noch zu viel, zumal die Hälfte von ihnen Langzeitarbeitslose sind. Aber die Chancen auf eine Anstellung direkt hier in der Region sind heute so gut wie nie seit 1990. Und das gilt nicht nur für Spezialisten wie Mechatroniker. Die Stellenangebote der Firmen sind wirklich vielfältig.

Verantwortlich für diese Entwicklung ist nicht nur das Erfurter Kreuz. Zwar gehen von dort die sichtbarsten Impulse aus, aber die Entwicklung hat längst auf die umliegenden Gebiete übergegriffen. Das wird auch an einem Verein deutlich, der sich ursprünglich als kleiner Firmenverbund fand, um sich um die Arbeits- und Lebensbedingungen um das Erfurter Kreuz zu kümmern.

Mittlerweile ist die „Initiative Erfurter Kreuz“ längst nicht nur territorial über diesen Anspruch hinausgewachsen. Sie hat jetzt bereits 50 Mitgliedsbetriebe zwischen Gotha, Erfurt und Stadtilm und schickt sich an, selbst ein wesentlicher Standortfaktor der Region zu werden. Denn der Verein repräsentiert immerhin bereits über 10 000 Beschäftigte.

Es sollen noch mehr werden. Zu den vorhandenen 130 Hektar reine Industriefläche am Erfurter Kreuz sollen in einem zweiten Bauabschnitt von Arnstadt in Richtung Rehestädt weitere 37 Hektar hinzukommen, die Erschließung ist bereits im Gange. Insgesamt ist das Gelände auf 360 Hektar erweiterbar. Das heißt, potenziellen Investoren können alle Platz-Wünsche erfüllt werden.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Trend anhält. Und dass die Experten recht behalten, die für die Region eine Arbeitslosenquote von unter 5 Prozent durchaus für realistisch halten.

 

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