Tinte, tonnenweise

Vater und Sohn: Schuite & Schuite„Nein, ich habe keine Probleme und nichts zu klagen“, sagt Albert Schuite, „auch wenn das für holländische Verhältnisse merkwürdig klingt“. Schuite ist Senior-Chef einer Firma am Erfurter Kreuz, die Tinte für Druckereien herstellt. In heimischen Druckern kann man sie nicht finden, aber zum Beispiel auf der Zeitung.  „Auch die Thüringer Allgemeine wird von uns beliefert“, sagt Schuite. In großen Behältern oder eigenen Tankwagen verlässt die Flüssigkeit die Firma, gegenwärtig sind es etwa 40 000 Tonnen jährlich. Die Tendenz ist seit der Betriebseröffnung steigend. Gegenwärtig ist man dabei, eine vierte Schicht einzurichten. „Wenn wir die Leute dazu finden“, so der Senior-Chef.

„Tinte“ darf man eigentlich hier nicht sagen. Denn das, was hergestellt wird, ist wesentlich dickflüssiger. Deshalb nennen es die Fachleute lieber „Druckfarbe“. Mit der gewöhnlichen Drucker-Tinte hat sie nur die Farbpalette gemein: Gemixt wird nach dem Vierfarb-Schema „CMYK“, also  CyanMagentaYellow und den Schwarzanteil Key. Wobei Schwarz wieder gar keine Farbe ist, aber das macht die Sache auch nicht einfacher. Gelb ist übrigens die Farbe, die dabei am meisten verbraucht wird. Also doch ein bisschen wie beim Drucker zuhause.

Gegenwärtig hat die Firma 90 Beschäftigte. „Aber man könnte aus dem Standort hier die Nummer 1 der Tintenproduktion in Europa machen“, sagt Albert Schuite. Er weiß, wovon er spricht. Denn der Holländer hat früher bereits ein weltweites Tinten-Imperium mit 1500 Mitarbeitern von Curacao aus geleitet, bevor er die Firma verkaufte und eigentlich den Lebensabend genießen wollte. Doch so ganz konnte er dann doch nicht loslassen – und fing gemeinsam mit seinem Sohn Bauke-Jan am Erfurter Kreuz noch einmal neu an.

„Ich würde immer wieder hierher gehen“, erzählt er bei einem gemeinsamen Betriebsbesuch der Bürgermeister Uwe Möller (Ichtershausen) und Hans Ullrich (Wachsenburggemeinde) mit einigen Gemeinderäten. Zunächst war es die zentrale Lage, die ihn gereizt hat. Aber mittlerweile schätzt er andere Kriterien mehr: „Die Arbeitsmentalität ist einzigartig. Und was hier insgesamt am Erfurter Kreuz entsteht, auch.“  Eine solche Verbindung von potenten Industriebetrieben mit lieblicher Landschaft gleich in der Nachbarschaft, das habe er so noch nirgends gefunden. Was ihn ein bisschen stört, ist die Tatsache, dass die Einheimischen nicht so richtig zu wissen scheinen, was sie hier einmaliges haben. Aber das Klagenn ist wohl doch nicht nur eine Eigenart der Holländer.

Die Tinte von „Schuite & Schuite“ wird bis nach Australien exportiert. Demnächst fliegt der Chef nach China, um neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Angst vor einer Rezession hat er nicht, denn auch die vergangene Krise hat kaum Einbußen gebracht. Zwar schrumpfe der Markt an Druckereiprodukten durch das Internet, aber das würde sich vor allem bei den Schwachen der Branche auswirken. „Die meisten Konkurrenten haben Maschinen, die 20 Jahre älter sind als unsere und damit viel uneffektiver als unsere“, so der Firmenchef. „Das ist ein absoluter Wettbewerbsvorteil.“

Schuite führt das Unternehmen auf seine ganz spezielle Art. Die Hierarchien sind flach, das „Du“ unter den Mitarbeitern ist obligatorisch, auch dem Chef gegenüber. Das sei am Anfang ziemlich ungewohnt gewesen, sagt eine Mitarbeiterin. Aber es habe sich sehr schnell herausgestellt, dass es nicht nur eine Masche ist, sondern Prinzip. Denn wenn Kunden arrrogant auftreten, kann es schon mal passieren, dass es nicht zum Geschäftsabschluss kommt – auch wenn der rein rechnerisch lukrativ erscheint. „Wer glaubt, Leute mit einem großen Maul beeindrucken zu können, der ist für mich nicht akzeptabel“, sagt der Holländer und lächelt.

Bis zum Jahresende will er darüber entscheiden, ob die Firma am Erfurter Kreuz weiter vergrößert wird. Im Augenblick sieht es danach aus, aber ein wenig rechnen will man doch noch. Wieder weg zu gehen von hier, das kommt für Schuite allerdings nicht in Frage, sagt er und blickt aus seinem Beratungsraum über das freie Feld bis zur Wachsenburg. Unter der Burg haben die Schuites eine Mietwohnung.

Im Beratungsraum in der Firma steht noch der wertvolle Globus, den er aus Curacao mitgebracht hat. Jedes Land darauf ist aus einem Stein gearbeitet, der typisch dafür ist. Albert Schuite kennt viele dieser Länder. Und nun ist dieser Globus im kleinen Ichtershausen in Thüringen angekommen.

„Wenn wir irgendwas neues machen“, sagt Albert Schuite, „dann wird es hier gemacht.“

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