Für die Schätze der Stadt

Bürgermeister Köllmer vor der massiven TresortürDas Arnstädter Rathaus ist nach der jahrelangen Restaurierung wieder ein Schmuckstück geworden. Das ab  1583 im niederländisch beeinflusstem Renaissancestil erbaute Gebäude erfuhr während seiner wechselvollen Geschichte zahlreich Um- und Anbauten. Besonders interessant aber ist es, in den Keller hinabzusteigen.  Zum Beispiel wegen des Tresors, in dem die Schätze Arnstadts lagern.

Die Tür mit der Aufschrift „Geldschrankbode Hannover“ ist, selbst wenn man die Schlüssel dazu hat, kaum zu öffnen. Von außen sieht man ihr das Gewicht und die Widerstandskraft nicht an, aber das gehört wohl zum Prinzip eines Tresors. Dieser ist sogar begehbar und innen sehr geräumig. Hier, im Keller des Rathauses, werden die Schätze der Stadt Arnstadt aufbewahrt.

Wie lange es den Raum schon in dieser Form gibt, ist schwer zu sagen. Denn eigentlich gehörte er vor dem jüngsten Umbau gar nicht zum Rathaus. Er wurde als Tresorraum von der Sparkasse genutzt, die neben dem Rathaus eine Zweigstelle hatte. Aber der heutige Bürgermeister Hans-Christian Köllmer lernte ihn schon in Wendezeiten kennen und schätzen.

Denn auf der Suche nach einem sicheren Unterbringungsort für die Unterlagen der ersten freien Kommunalwahl in Arnstadt kam das Bürgerkommitee auf die Idee, diesen Raum zu nutzen. „Wir sind damals nach Erfurt gefahren und haben einen Mann aufgetrieben, der mit solchen Schlössern umgehen konnte“, erzählt Köllmer. „Und danach haben wir die Unterlagen der Wahl darin gelagert.“

Zu DDR-Zeiten sollen hier auch Waffen abgestellt worden sein, von der „Gesellschaft für Sport und Technik“. Aber die waren schon weg, als das Bürgerkommitee kam. Dann war lange Zeit die Sparkasse wieder Herr und Nutzer des Tresorraums. Aus dem Rathaus gab es auch gar keinen Zugang dorthin. Doch als der Umbau des Rathauses geplant wurde, legte Hausherr Köllmer großen Wert darauf, dass dieser Raum vom Rathaus aus begeh- und nutzbar wurde.

Der Namenszug an der TresortürDas war eigentlich nicht vorgesehen, „aber ich fand, dass er ein Stück Geschichte der Stadt ist und unbedingt erhalten werden muss“, sagt Köllmer. Und das galt vor allem für die alte, schwere Tresortür. Auch als praktischen Gründen. Denn die Schätze der Stadt lagerten damals in einem kleinen Tresor in seinem Dienstzimmer. Nicht gerade zur Freude der Versicherung.

So wurde die Tresortür auf der Sparkassen-Seite ausgebaut und nach Hannover zur Restaurierung gebracht, denn die Firma „Bode Hannover“ gibt es tatsächlich noch heute.

Nach der Restaurierung wurde die Tür von der Rathausseite aus wieder eingebaut. So hat nun die Stadt endlich einen würdigen und sicheren Platz für ihre Schätze. Und man hat jederzeit vom Rathaus aus Zugang dazu. Wenn man die große und schwere Tür aufbekommt.

Aber was sind das für Schätze, die derart sicher untergebracht werden müssen? Zur Enttäuschung aller Schatzsucher und Märchenfreunde: Truhen voller Gold, Silber und Edelsteinen findet man leider nicht in dem Tresorraum. Wären sie je dagewesen, hätte sie die Stadt sicher schon lange „versilbert“. Einziges sehenswertes Stück im Raum ist die Amtskette des Bürgermeisters, die er zu festlichen Anlässen anlegt. Der Rest sind Schriftstücke, Originalunterlagen, die besonders geschützt werden müssen, auch für den Brandfall. Kauf- und Konzessionsverträge zum Beispiel oder andere Dokumente, die nur im Original anerkannt werden. Das sind die wahren Schätze der Stadt.
Aber wenn doch mal eine größere Menge an Gold unterzubringen wäre, der Tresorraum böte genügend Platz.

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