Nimm zwei

In der ersten Runde der Arnstädter Bürgermeisterwahl gab es noch keine klare Entscheidung für einen Kandidaten, am 29. April gehen Alexander Dill und Frank Spilling in die Stichwahl. Schon vorher dürfte es politisch ziemlich interessant werden.

Angelika Stiel hat sich achtbar geschlagen. Ihre Tippel-Tappel-Tour als Einzelkandidatin durch die Wohngebiete und Ortsteile Arnstadts hat ihr 19,1 Prozent der abgegebenen Stimmen eingebracht. Auch Jens Petermann hat mit 14 Prozent das Ergebnis des Linke-Kandidaten von 2012 (Frank Kuschel) um über drei Prozent überboten, allerdings liegt er deutlich unter dem Stadtratswahlergebnis seiner Partei von 2014 (24,2 Prozent). Da wäre sicher mehr drin gewesen, hätte Petermann seinen Wahlkampf früher gestartet und intensiver geführt. Thomas Eidam und die SPD dürften allerdings so gar nicht zufrieden sein. 4,9 Prozent sind für ihn und eine Partei , die in der Bundes- und Landesregierung sitzt und damit über beträchtliche finanzielle und strukturelle Unterstützungsmöglichkeiten  verfügt, schlicht blamabel. Zum Vergleich: Bei der Bürgermeisterwahl 2012 hatte der SPD-Kandidat Christian Hühn mehr als drei Mal so viele Stimmen geholt, auch bei der Stadtratswahl 2014 holte die SPD  über 15 Prozent. (Screenshots von den Seiten des Landeswahlleiters).

Bürgermeisterwahl 2018
Bürgermeisterwahl 2012
Stadtratswahl 2014

 

Frank Spilling dagegen hat es trotz zum Teil heftigen Gegenwinds in die Stichwahl geschafft. Das sah zunächst nicht so aus, denn er wurde zwar offiziell von der CDU und Pro Arnstadt getragen, aber Teile von Pro Arnstadt sprachen sich für Angelika Stiel aus – und auch in der CDU war die Entscheidung, einen jetzt in Erfurt lebenden Kandidaten zu nominieren, umstritten. Am Ende war er aber wohl deshalb erfolgreich, weil für ihn mit einem riesigen Aufwand im Stadtbild und in den sozialen Medien geworben wurde – und weil seine Themen die Wähler angesprochen haben. Vielleicht war es aber auch der Umstand, dass er in einer Verwaltung arbeitet und „von außen“ kommt. Ich bin da aber nicht sicher. In der Stichwahl am 29. April tritt er nun gegen den Amtsinhaber Alexander Dill an.

Dill hat im ersten Durchgang 35 Prozent der Stimmen erhalten. Das ist keine Klatsche, aber auch nicht sonderlich gut für einen Amtsinhaber. Dass er überhaupt in die Stichwahl muss, hat er sich selbst zuzuschreiben. Durch sein offensives und bürgernahes Agieren in den vergangenen vier Wochen Wahlkampf ist erst so richtig aufgefallen, was er in den Jahren vorher nicht gesagt und getan hat.  jetzt im Wahlkampf konnten die Arnstädter wieder einen Alexander Dill erleben, wie sie ihn schon aus dem Wahlkampf 2012 und seinen ersten Amtsmonaten kannten. Ob das reicht, damit er eine zweite Chance bekommt, wird sich zeigen.  Denn für Frank Spilling gilt, was auch für Alexander Dill 2012 galt: Keiner weiß, ob er das, was er verspricht, auch als Chef einer großen und schwierigen Behörde mit einem ziemlich selbstbewussten Stadtrat umsetzen kann. Und dann gibt es noch Wahlversprechen von Spilling wie eine eigene Polizeiinspektion für Arnstadt. Dazu müsste ein Landesgesetz geändert werden – und das hat mit Gebietsreform zu tun.  Das Wort hört gerade keiner in Erfurt gerne.

Die Stichwahl ist offen. Auch, weil viel von der Wahlbeteiligung abhängen wird. Dazu gibt es offene taktische Fragen. Wird es eine Wahlempfehlung der „Linke“ geben – und wenn ja, für wen? Im Abwahlverfahren gegen Dill 2016 gab es eine Allianz der Linken mit CDU und Pro Arnstadt – eine Unterstützung der Linken für Spilling wäre die logische Folge, ist aber irgendwie kaum denkbar. Und eine Unterstützung für Dill? Da müssten einige Linke über ziemlich dunkle Schatten springen.

Die wichtigste Frage aber wird sein: Was werden Wähler tun, die weder Dill noch Spilling im Rathaus sehen wollen? Gehen sie überhaupt zur Stichwahl?

Es wird also nicht erst zur Stichwahl interessant, sondern schon in den nächsten Tagen. Nicht nur am Hopfenbrunnen wird es sicher viele Gespräche geben.

Ein Gedanke zu „Nimm zwei“

  1. Schaut man den Tatsachen ins Auge. Dürfte es von Seite der Linken, keine Empfehlung für den Amtsinhaber geben.
    Abwahlverfahren und das ständige Dauerfeuer im Stadtrat und anderen Seiten, sprechen gegen eine Empfehlung. ( Auch während des „Wahlkampfes „)
    Man kann nicht ein Abwahlverfahren auf den Weg bringen und dann eine Empfehlung geben.
    Egal wie man vielleicht eine Empfehlung dann den Bürgern schmackhaft / verkaufen will. Ich denke entsprechende Bürger der Stadt Arnstadt, werden sich dann fragen. Was soll denn das jetzt?
    Wird jetzt eine Empfehlung gegeben, vergleiche ich es mit der Bundestagswahl. Wo (SPD) Schulz erst tönte , man stehe nicht für die Groko zur Verfügung und dann umfiel wie ein nasser Sack. Aber für um mit an die Macht zukommen, werden auch Kröten geschluckt und Pöstchen fallen dann auch manchmal noch für die Krötenschlucker ab.
    Im Bund wurde die SPD zum sprichwörtlichen Königsmacher.
    Jetzt darf man gespannt sein, welche Partei sich hinter welchen Stichwahlkanditaten stellt und Empfehlungen ausspricht.
    Und wie durchdacht die Arnstädter Bürger ihren Willen am Stichwahltag ausdrücken. Auch kann nur hoffen, das viele Arnstädter an diesen Tag zur Wahl gehen.Und die ,welche im Grunde keinen der beiden Stichwahlkanditaten im Rathaus sehen wollen, sollten genau darüber nachdenken – was es für Auswirkungen haben wird. Sich doch noch einmal mit beiden Kanditaten und ihren Zielen befassen- Und wählen gehen.

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