Die Marke Nagel

Die Ereignisse um die Bäckerei Nagel haben in den vergangenen Tagen viele Diskussionen in der Stadt ausgelöst, die zum Teil sehr emotional  geführt wurden. Es ist Zeit für eine Versachlichung. Was ist eigentlich passiert und was könnte noch so alles passieren?

Nagel-Brot ist eine Marke. Ohne Werbung, nur durch Mundpropaganda, hat sich dieses Arnstädter Produkt am Markt etabliert. Trotz der großen Konkurrenz von Bäckerei-Ketten und trotz der Tatsache, dass auch in anderen Arnstädter Handwerksbetrieben gutes natürliches Brot gebacken wird. Nicht nur viele Einheimische essen es gern, manche kommen extra aus Erfurt, um Nagel-Brot zu kaufen. Und Touristen nehmen es als Souvenir mit.

Bernd und Beate Nagel führten die über 100 Jahre alte Bäckerei seit Jahrzehnten durch alle Unbilden, die das Leben und die gesellschaftlichen Verhältnisse ihnen bescherten. Längst sind beide im Rentenalter, aber die Nachfolge war lange ungeklärt. Die Nagels wollten gern ihre Bäckerei als Familienbetrieb erhalten. Auch aus diesem Grund übernahm wohl vor einiger Zeit die Schwester von Beate Nagel, Iris Prey, die Geschäfte. Es lief zunächst sehr gut, der Qualität des Backwaren merkte man den Wechsel nicht an und neben der Bäckerei wurde sogar noch ein kleines Cafe eröffnet. Es schien, als würde ein frischer Wind die existenz der Marke Nagel für lange zeit sichern können.

Was nur wenige wussten: Hinter den Kulissen lief es schon einige Zeit gar nicht gut zwischen den Besitzern und der neuen Geschäftsführerin. Es ist müßig, Schuldfragen öffentlich zu diskutieren. So gut wie jeder hat wohl leidvolle Erfahrungen damit, dass ein Streit innerhalb der Familie für alle Beteiligten besonders zermürbend sein kann.

Offenbar ist das Zerwürfnis mittlerweile so stark, dass keine Zusammenarbeit mehr möglich ist. Iris Prey beendet zum 21. Juli ihre Tätigkeit in der Bäckerei Nagel und zieht mit einem großen Teil ihrer jetzigen Mannschaft in ein neues Domizil in der „Riedschenke“ (mit Außenstelle am Jakobsturm). Sie wollen in einer Gegend, die dringend einer Aufwertung bedarf, die Tradition der Nagelschen Backkunst mit modernen Mitteln weiterführen. Das wäre für Arnstadt ein positiver Effekt. Der negative Effekt: Mitten im Zentrum stünde ein Laden leer, der in Zeiten ringsum sterbender Geschäfte ein wichtiger Anker für den Erhalt einer einigermaßen lebendigen Innenstadt war.

Dazu wird es nun zunächst nicht kommen: Bernd und Beate Nagel haben sich nach Beratung im Familienkreis entschlossen, einen Neustart in eigener Regie zu versuchen. Schon vor der Eröffnung der neuen Läden von Iris Prey wollen sie am 7. August ihre Bäckerei am Hopfenbrunnen wieder öffnen und – unter anderem – das traditionelle Nagelbrot verkaufen.

Das ist ein risikoreiches Unterfangen. Nicht nur des Alters der Nagels wegen und der gesundheitlichen Probleme, die das Altwerden so mit sich bringt. Ein solcher Neustart braucht engagierte Mitstreiter und steht – ab September – in Konkurrenz zu einem Unternehmen, das für den gleichen Markt ein ziemlich gleiches Produkt  anbieten will. Schon jetzt gibt es im Netz Debatten, wo man künftig das bessere Nagel-Brot kaufen kann und soll.

Wie die Sache ausgeht, ist offen. Nagels haben am Hopfenbrunnen die Tradition und die Gewohnheit der Käufer auf ihrer Seite, Iris Prey hat in der Riedschenke Parkplätze vor dem Haus und ein paar frische Ideen für die Vermarktung. Entscheidend dürfte sein, wem es gelingt, die „Marke Nagel“ glaubhaft, dauerhaft und schmackhaft  fortzuführen.

Es ist für den Moment gut, dass der Laden in der Innenstadt weiter als Traditionsbäckerei genutzt wird und dass vor dem Ried etwas Neues entsteht. Aber ich habe Zweifel, ob beide auf Dauer nebeneinander existieren können. Zumal es eben auch andere Bäcker in Arnstadt gibt, die gutes Sauerteig-Brot anbieten.

Die Ereignisse um die Bäckerei Nagel machen aber auch eines deutlich: Die Lage des Einzelhandels in der Innenstadt ist dramatisch. Ob es gelingt, das Lädensterben im Zentrum zu stoppen oder vielleicht sogar umzukehren,  hängt von immer weniger Händlern und ihren Ideen ab. Man kann uns nur wünschen, dass viele durchhalten und sich etwas einfallen lassen, damit aus Arnstadt nicht eines Tages eine schön herausgeputzte, aber menschenleere Kulisse wird.

Hier der Beitrag der Arnstädter TA über den Umzug zum Nachlesen.

3 Gedanken zu „Die Marke Nagel“

  1. Ich wünsche der „alten“ Nagels viel Erfolg und alles Glück der Welt.
    Bei jedem Aufenthalt in Arnstadt nehme ich Nagelbrot für die Daheimgebiebenen mit.

    Die Tradition sollte unbedingt erhalten bleiben !!!

  2. Was bei der ganzen Diskussion um die sehr guten Brote nicht vergessen werden darf, sind die original Nagelsbrötchen. Denn diese haben in den letzten Wochen leider immens gefehlt!

  3. Danke für alles Bäckereiwerk bisher
    Heute fahre ich ins Erzgebirge mit Nagelbroten in der Tasche wie bisher immer. Wir hoffen , daß wir das auch weiter tun können.
    Beate und Bernd Nagel wünschen wir alle Kraft zum Neuanfang am 7. August 2018
    Liebe Grüße und Gedanken
    Günter und brigitte

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