Nicht mehr die Härte

Seit heute Vormittag sinkt die Wasserhärte im Versorgungsbereich des Arnstädter Wasserwerkes, gleichzeitig steigt der Wasserpreis leicht an. So weich wie Ohrawasser wird es aber nicht, sondern es wurde ein Mittelweg gewählt.

Es war schon die Härte. Die Mehrzahl der Arnstädter bezogen ihr Trinkwasser seit Menschengedenken aus einer sehr kalkhaltigen Quelle  unterhalb des Eichfelds. 23odH, so die Fachbezeichnung für den Härtegrad, der zwar deutschlandweit längst kein Spitzenwert war (in Würzburg ist das Wasser zum Beispiel 400dh hart), aber es nervte schon ganz schön. Vor allem bei den Töpfen und Kaffeemaschinen. 

Aber das wurde heute um 10 Uhr anders. Seitdem wird  im Wasserwerk am Schönbrunn ein Mix aus dem kalkhaltigen Wasser der eigenen Quelle  und dem sehr weichen Fernwasser aus der Ohra-Talsperre (3dH) hergestellt und in Arnstadt verteilt. Mit 11odH soll dieser Mix am Ende wesentlich weicher sein als das deutsche Durchschnitts-Trinkwasser, allerdings wird das etwas dauern. Bis zu einer Woche veranschlagt der Wasser- und Abwasserzweckverband Arnstadt und Umgebung  (WAZV), bis die Zielgröße erreicht ist. Es ist ja noch jede Menge hartes Wasser in den Leitungen.

Das weichere Wasser hat seinen Preis. Die Grundgebühr steigt von 11,24 auf 12,09 pro Monat (brutto), der verbrauchte Kubikmeter kostet nun 1,99 Euro statt 1,82 Euro. Aber die Steigerung ist moderat, wenn man bedenkt, dass das Ohra-Fernwasser etwa drei mal so teuer ist wie das aus der eigenen Quelle – und der Zweckverband erheblich investieren musste, um das Vorhaben zu verwirklichen. Anwohner des Lohmühlenwegs, der Marlittstraße und des Berggartenwegs werden sich noch gut (oder weniger gut) an die neue Trasse erinnern, die vom Fernwasser-Übergabepunkt nahe der Wiesendiele bis zum Schönbrunn gebaut werden musste. Und der höhere Wasserpreis wird auch von denen entrichtet. die gar nichts davon haben: Auf dem Arnstädter Rabenhold gibt es schon seit Jahren weiches Ohrawasser und in Stadtilm und Umgebung ändert sich auch nichts, dort werden die Bürger vom Wasserwerk Dörnfeld versorgt.  Den höheren Wasserpreis zahlen alle im Verbandsgebiet des WAZV. Nutznießer des nun weicheren Wassers sind aber nur diejenigen, die direkt vom Wasserwerk am Schönbrunn. Also der Großteil der Arnstädter und die Abnehmer in Rudisleben. 

Was muss ich nun machen, wenn das Wasser weicher wird?

Freuen. Beim Duschen dürfte man ein angenehmeres Gefühl haben.  Und die Töpfe, Wasserhähne und Toilettenventile verkalken nicht mehr so schnell. Dringenden Handlungsbedarf gibt es nicht, denn das weichere Wasser richtet keinen Schaden an. Wer eigene Enthärtungsanlagen betreibt, sollte sie aber auf die neue Wasserhärte einstellen (lassen), gleiches gilt  für Haushaltsgeräte. Sowohl bei Spül- als auch bei Wasch- und Kaffeemaschinen gibt es meistens eine Möglichkeit, die aktuelle Wasserhärte einzugeben, die Einzelheiten findet man in den Bedienungsanleitungen. Manchmal kann man die Härte direkt eingeben (11odH), manche Maschinen wollen aber nur eine gröbere Einteilung. Da wählt man „mittel“ oder „Härtegrad 2“ aus.  Danach braucht man weniger Enthärtersalz in der Spülmaschine und die Kaffeemaschine blinkt nicht mehr ganz so häufig, um entkalkt zu werden.

Wie das neue Wasser schmeckt, muss man abwarten. Allgemein gilt ja, dass härteres Wasser besser schmecken und gesunder sein soll als weiches, es ist einfach mehr Magnesium und Kalzium drin. Praktisch ein Mineralwasser aus der Leitung. Aber mit der jetzt angepeilten mittleren Härte könnte es ein guter Kompromiss zwischen Geschmack und haushaltlichem Pflegebedarf sein.

Es gibt also doch noch gute Nachrichten: Das neue Jahr wird etwas weicher. Zumindest beim Wasser. Den Rest müssen wir noch hinkriegen.

2 Gedanken zu „Nicht mehr die Härte“

  1. Vielen Dank für diesen aufklärenden Beitrag. Ich finde ihn sehr hilfreich. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass die TA nach wie vor keinen Regionalteil, aus dem man die ein oder andere Info erhielt, produziert.

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