Keine Gartenschau für Arnstadt

Die Landesgartenschau 2028 wird nicht in Arnstadt stattfinden, sondern in den „Orlatal“-Städten Pößneck, Neustadt und Triptis. Von den sechs Bewerbern landete Arnstadt zwar nicht auf dem letzten Platz, aber eben auch nicht weit vorn genug.

Eigentlich sollte die Entscheidung schon viel früher fallen, aber die Landesregierung hat sich Zeit genommen. Die Landesgartenschau 2028 wird an diesem Dienstag (12. Juli) mit ziemlicher Sicherheit an den Städtezusammenschluss von Pößneck, Neustadt/Orla und Triptis vergeben. Auf dem 2. Platz landete knapp dahinter Altenburg, letzter wurde offenbar Bad Frankenhausen, das laut Bewertungskommission „kein schlüssiges Konzept“ vorlegen konnte. Und irgendwo dazwischen landete Arnstadt. Es gibt hier also keine Landesgartenschau 2028 – und auch zwei Jahre später nicht (diese Variante für den Zweitplatzierten wünscht sich das Infrastrukturministerium, aber ob es so kommt, ist noch offen). 

Woran hat’s gelegen, dass Arnstadt nicht so recht punkten konnte? Antworten gibt die recht ausführliche Bewertung Arnstadts durch eine Kommission, die im Vorfeld der Entscheidung alle Unterlagen ausgewertet und auch die Bewerberstädte besucht hat. Dieser Kommission gehörten Vertreter mehrerer Ministerien, Vertreter der grünen Berufsfachverbände (Landesverband Gartenbau Thüringen e. V., Fachverband Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen e. V., Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (Landesgruppe Thüringen)) und der Thüringer Tourismus GmbH an. Die Bewertungen sind Bestandteil der Kabinettsvorlage. Hier einige Auszüge aus der Bewertung Arnstadts.  

Unschlüssige Finanzierung?

Die Bewertungskommission hat starke Zweifel an der von Arnstadt vorgelegten Finanzierung: „Die Stadt hat nach Aufforderung ein überarbeitetes Finanzierungskonzept vorgelegt, welches nach wie vor nicht schlüssig ist, da ein sehr hoher Anteil Dritter aufgeführt wird, ohne dass dies näher untersetzt ist. Zudem besteht auch nach dem angepassten Konzept noch ein hoher Kreditbedarf von ca. 32,5 Mio. Euro, obwohl Arnstadt schon derzeit relativ hoch verschuldet ist“, heißt es in der Bewertung. 

Zu wenig Bach?

Die Bewertungskommission im Originaltext: „Die Bachstadt Arnstadt ist wegen ihrer kulturellen Bedeutung und des historischen Stadtbilds bereits ein touristisches Ausflugsziel, allerdings bislang eher für Tagesgäste. Insofern liegt das touristische Potenzial in einer Erhöhung der Übernachtungsgäste. Wer in Thüringen auf Kultur- oder Städtereise ist, übernachtet in der Regel in Erfurt oder Weimar. Ziel für eine touristische Weiterentwicklung der Stadt sollte es daher sein, die Aufenthaltsdauer in der Stadt durch attraktive Angebote und Erlebnisse zu erhöhen. Ob die im Rahmen der LGS geplanten Vorhaben hierfür der geeignete Impulsgeber sind, ist fraglich. Eine stärkere Profilierung am touristischen Markt kann vermutlich am ehesten über das Thema „Bach“ erfolgen, was in der LGS -Bewerbung der Stadt Arnstadt eher eine untergeordnete Rolle spielt. Das Tourismuskonzept der Stadt Arnstadt benennt dies jedoch eindeutig und schlägt auch entsprechende Maßnahmen vor. Diese hängen nicht zwangsläufig an der Durchführung einer LGS und können bei Pass- und Förderfähigkeit ggf. auch im R ahmen der Tourismusförderung Berücksichtigung finden.“

Falsche Schwerpunkte?

Die Nutzung der Liebfrauenkirche als Ort für eine Blumenschau sehen die Bewerter zwar als grundsätzlich positiv an, haben aber so ihre Bedenken: „Die Nutzung der Liebfrauenkirche für die Blumenschauen bietet einen stilvollen, angemessenen und zudem
nachhaltigen Rahmen. Lediglich die Lage außerhalb der beiden Kernzonen wird als problematisch erachtet, da sich die Lenkung der Besucherströme zur Realisierung der gewünschten Besucherfrequenz voraussichtlich schwierig gestalten wird. Die Erreichbarkeit der Liebfrauenkirche ist besonders für ältere Besucher bzw. für Besucher mit Einschränkungen als herausfordernd einzuschätzen.“  

Was die Barrierefreiheit betrifft, werden sogar grundsätzliche Schwächen in Arnstadts Bewerbung gesehen: „In der Machbarkeitsstudie wird Barrierefreiheit als ein bestehendes Leitbild der Stadt Arnstadt genannt. Unter anderem setzte sich die Stadt für die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum sowie der Gestaltung barrierefreier Mobilitätsangebote ein. In den Ideen und Planungen für die LGS findet das Thema jedoch keine Berücksichtigung.“

Auch hinsichtlich der Kernzone am Mühlgaben sind die Bewerter skeptisch: „Bezüglich der Kernzone am Mühlgraben wäre der touristische Nutzen eher als gering einzuschätzen. Sie liegt randstädtisch und soll perspektivisch für eine neue Wohnbebauung dienen.“

Ähnlich wird der Anteil der „Seenplatte Rudisleben“ gesehen: „Die Entwicklung der Seenplatte Rudisleben – als nachgeordnetes Vorhaben – ist im Hinblick auf die Naherholung und Freizeitgestaltung der einheimischen Bevölkerung vorrangig eine Maßnahme, um die verkehrlichen Belastungen der Stadt zumindest teilweise zu kompensieren. Eine touristische Relevanz ist dagegen nicht zu erkennen.“

Grundsätzlich finden die Bewerber die Arnstädter Bewerbung eigentlich gar nicht schlecht, aber haben am Ende wohl den Eindruck mitgenommen, dass die Stadt auch ohne Landesgartenschau (LGS) ihren Weg gehen wird: „Im Rahmen der Ortsbereisung wurde deutlich, dass Arnstadt voraussichtlich auch ohne die Durchführung und den Impuls einer LGS einige der Vorhaben umsetzen wird.“  

Ich finde zwar einiges an den Einschätzungen der Bewertungskommission nicht so ganz schlüssig, aber vielleicht ist letzteres gar nicht so falsch. Es ist zwar schade, dass Arnstadt nun ohne die finanzielle Unterstützung auskommen muss, die so eine Gartenschau mit sich bringt, aber es war gut, sich darüber klarzuwerden, wo die Stadt eigentlich hin will. Das war unter vorherigen Bürgermeistern eigentlich nie ein richtiges Thema. Und deshalb sollte man, wenn alle genug auf die Landesregierung geschimpft haben, nach vorne schauen.  Sich von einigen nicht ganz so tollen Ideen verabschieden – und den Rest beharrlich verfolgen. 

Zum Thema:

Die Bewerbung Arnstadts zur Landesgartenschau 2028

Diese Städte / Verbünde hatten sich beworben (mit der von der Bewertungskommission erreichten Prozentzahl laut Kriterienkatalog):

  1. Initiativkreis Interkommunale Landesgartenschau der Orlaregion (Pößneck, Neustadt an der Orla, Triptis) 88 %
  2. Stadt Altenburg 87 °%
  3. Städtepartnerschaft Bad Liebenstein und Bad Salzungen 81 %
  4. Stadt Arnstadt 71 %
  5. Allianz Thüringer Becken (Sömmerda, Straußfurt, Kindelbrück, Buttstädt, Rastenberg) 70 %
  6. Stadt Bad Frankenhausen (kein schlüssiges Konzept)

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