Ein Leben für den Film

Der Journalist und DEFA-Stiftungs-Vorstand Ralf Schenk. Bildquelle: mdr

Es gibt nicht viele berühmte Leute, die in Arnstadt geboren sind.  Einer, der sich um die Bewahrung der Filmschätze aus der DDR und ihre Aufarbeitung große Verdienste erworben hat, ist in dieser Woche gestorben: der Journalist Ralf Schenk.

Es war nur ein kurzes Gastspiel, das Ralf Schenk in Arnstadt gab. Seine Eltern lebten in Gehlberg und seine Mutter kam nur nach Arnstadt, um ihn am 27. März 1956 auf die Welt zu bringen. Mehr als dieser Eintrag in der Geburtsurkunde verband Ralf Schenk wohl nicht mit der Bachstadt. Wenn man damals in Gehlberg wohnte, gehörte man irgendwie zu Suhl – so wie auch heute wieder. Und so lebte Ralf Schenk seine Liebe zu Journalismus und Film schon als Jugendlicher in Suhl aus: Als Journalist beim „Freien Wort“, als Filmliebhaber beim dortigen Filmklub. Dann zog er in die weite Welt, die in der DDR Leipzig hieß  oder Berlin. Aber er blieb seinen Vorlieben auch treu, als die Welt größer wurde und es die DDR nicht mehr gab.

Vieles, was die DDR ausgemacht hatte, war nach der Wende zunächst nichts mehr wert und drohte in Vergessenheit zu geraten. Aber als genauer Betrachter und Chronist des DDR-Filmwesens wusste Ralf Schenk, welche gezeigten und ungezeigten Schätze der DEFA-Nachlass barg und welche großen Regisseure und Schauspieler diese Schätze auf den Weg gebracht hatten.  Ralf Schenk ist es mit zu verdanken, dass sie nicht in Vergessenheit gerieten. Die Menschen und die Filme.

Mit zahlreichen Büchern, Veröffentlichungen und eigenen Filmen hat er der DEFA zu einem zweiten Leben verholfen, als Journalist und später auch als Vorstand der DEFA-Stiftung.

Nun ist er viel zu früh in Berlin gestorben. Und in allen Nachrufen kann man lesen, dass er in Arnstadt geboren wurde. Ich hörte zwar gelegentlich von seinem anfangs oft belächelten und später breit gewürdigten Einsatz für die alte Tante DEFA, aber dass er ein Arnstädter war, habe ich erst nach seinem Tod erfahren.  Und obwohl es eigentlich nur geburtshalber war, bin ich schon ein wenig stolz, mit so einem Menschen einen Eintrag in der Geburtsurkunde gemein zu haben.

Nachruf des MDR

 

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