Rachmaninow fuhr Loreley

Dass Arnstadt mit der Firma Ley  auf eine erfolgreiche Automobilgeschichte zurückblicken kann, ist Kennern der Heimatgeschichte längst bekannt. Jetzt ist ein Beitrag aufgetaucht, der die Verbindungen dieser Firma nach Russland näher untersucht.

1906 begann in Arnstadt die Serienproduktion von Automobilen, die in Anlehnung an den Firmennamen den schönen Namen „Loreley“ trugen. Im gleichen Jahr noch wurde die erste „Loreley“ nach Moskau verkauft, an den Direktor  einer dortigen Maschinenfabrik. 1909 fuhren schon neun „Loreleys“ durch Moskau, ein beachtlicher Anteil bei insgesamt nur 264 motorisierten Fahrzeugen  einschließlich Lkws, Motorräder und Bussen.   Bis 1911 wuchs die Zahl der Arnstädter Autos in Moskau auf 23 an. 

Diese Fakten zur Arnstädter Automobilgeschichte hat der in Russland geborene Autojournalist Stanislav Kiriletz recherchiert, sein Beitrag ist eine wertvolle Ergänzung der bisher bekannten Geschichte einer kleinen, aber feinen Automobilfirma aus Arnstadt.  Jens Gleichmann, ein technikbegeisterter Arnstädter, hat ihn im Netz entdeckt und in einer Facebook-Gruppe gepostet.  

Die wendigen Vierzylinder-Wagen der Firma Ley erfreuten sich nicht nur in Russland großer Beliebtheit, sie wurden in viele Ecken der Welt verkauft. Grundlage dafür war ein Netz von Vertriebsstellen, das für die anderen schon vorher existierenden Sparten der Ley-Produktion (Elektro- und Schuhmaschinen) aufgebaut worden war und nun auch für die Autos genutzt werden konnte. Aber in keinem Land der Welt außerhalb Deutschlands war die „Loreley“ wohl so erfolgreich wie in Russland. 

Dazu trugen zweifelsohne auch die vielen Siege bei, die russische Fahrer bei Rennen mit ihren „Loreley“-Fahrzeugen in Russland erzielen konnten. Stanislav Kiriletz listet in seinem Beitrag allein 13 Erfolge  in den Jahren 1907 bis 1913 auf. Den größte Triumph gab es dabei für Fedor Schorigin auf der Kaiserfahrt von 1912, die über 3272 Kilometer von  St. Petersburg über Narwa, Reval, Riga,  Warschau,  Kiew , Gomel, Jaroslawetz nach Moskau führte.  Dabei ließ er die gesamte Konkurrenz bekannter Marken wie Austin, Lancia, Vauxhall, Buick, und Bugatti hinter sich und gewann das Rennen souverän.  Die Schiedsrichter konnten es nicht glauben und untersuchten anschließend ausgiebig seine 8-PS-Loreley – konnten aber keine Unregelmäßigkeiten feststellen. Die „Loreley“ war einfach Spitze.

in der Folge machte die Arnstädter Firma Ley ordentlich Werbung  mit solchen Erfolgen. Was dazu führte, dass sich auch der technikbegeisterte russische Komponist Sergej Rachmaninov eine „Loreley“ zulegte.    

Sergej Rachmaninow am Steuer seiner „Loreley“

Zu dieser Zeit (1912) war die Firma Ley zum größten Arbeitgeber Arnstadts aufgestiegen und beschäftigte 1200 Mitarbeiter.

Vor genau 100 Jahren schrieb die Firma Ley übrigens noch einmal Automobilgeschichte. Mit dem „Ley T6“ wurde mit dem österreichischen Ingenieur Paul Jaray der weltweit erste Prototyp eines Stromlinienwagens entwickelt. 

Leider konnte diese erfolgreiche Entwicklung nicht fortgesetzt werden, die Arnstädter Automobilproduktion überlebte die Weltwirtschaftskrise nur um wenige Jahre. Aber unter Automobilfans, besonders in Russland, lebt die Erinnerung an die kleinen, aber feinen Autos fort. Und in Arnstadt sind wenigstens noch zwei Exemplare erhalten: Im Schauraum der heutigen „vivida BKK“ auf dem Wollmarkt. Das Bild ganz oben zeigt einen davon.   

Weitere Infos:

Seite über Ley-Automobile 

Beitrag von Stanislav Kiriletz als pdf in Russisch und deutsch, mit vielen Abbildungen

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