Amt 800

Foto: Christiane Fischer

Matthias Grimm hat schon Erfahrungen beim Bau von Modellen. Jetzt hat der 53-jährige Arnstädter sein fünftes Werk vollendet. Im Maßstab 1 : 200 ist das „Amt 800“ im Dokumentationszentrum des Jonastal-Vereins im Arnstädter Bahnbetriebswerk wieder auferstanden. Nur wenige Arnstädter haben es damals so zu Gesicht bekommen, die meisten haben aber zumindest schon vom „Bergbad“ am Eulenberg gehört.

Heute ist auch das verschwunden. An der Stelle unweit der „Panzerstraße“ von Arnstadt nachBittstädt, deren Geschichte nicht nur viele Heimatforscher elektrisiert, steht heute eine Kleingartenanlage.

„Hier sollte einmal die größte Telefonzentrale des deutschen Reiches entstehen“, sagt Harald Böhme vom Jonastal-Verein. Er geht davon aus, dass die Reichspost in den 1930-er Jahren wegen der zentralen Lage hier dieses bedeutende Objekt plante und zu bauen begann. Wann der Bau startete, ist schon der erste Streitpunkt. Manche gehen von 1935 aus, wahrscheinlicher ist aber, dass unter Leitung der Philipp Holzmann AG erst 1938 begonnen wurde. Ein Jahr später aber war schon wieder Schluss: Die Baustelle lief voller Wasser. Ein unkalkuliertes Problem, sagen die einen. Perfekte Tarnung für den Weiterbau, sagen andere.

Im Vorfeld der Modellherstellung wurde versucht, Zeitzeugen zu finden. Denn es war zwar ein 2,5 Meter hoher Zaun um die Baustelle gezogen worden, so dass niemand sehen konnte, was dort geschah. Aber andererseits hatte man damals ganz offiziell auch in Arnstadt um Arbeitskräfte geworben, für eine „Kiesgrube“, so die Tarnung.

Oben am Eulenberg ging es tief in die Erde. Es wurden Fundamente gelegt, die eine zweistöckige Anlage vermuten lassen, die später „versteckt“ werden sollte. Die Erde wurde mit Loren einer Feldbahn weggefahren.

Doch dann habe es massive Probleme mit einem Wassereinbruch gegeben, hat ein Mann erzählt, der damals dabei war. Das Wasser sei aus dem Berg herausgeschossen, als man mit dem Bau eines unterirdischen Stollens von der Anlage weg begonnen habe. Doch wohin sollte der Stollen führen? „Wir gehen davon aus, dass man eine unterirdische Verbindung schaffen wollte zwischen dem Amt und der Kaserne an der Ohrdrufer Straße“, sagt Harald Böhme. Die Vermutung liegt nahe, dass man von dort ungesehen in das Amt zur Arbeit gelangen wollte.

Manche glauben, es sollte sogar mehr als einen solchen unterirdischen Gang geben, gefundene Schriftstücke sprechen dafür. Es finden sich auch kleine Stolleneingänge im Modell, die in den Berg führen. Die Vermutung, es könnte sich um den Anfang einer Verbindung zum von den Nazis geplanten „Führerhauptquartier“ im Jonastal handeln, wird aber nur von wenigen geteilt. „Die Planungen für die Jonastal-Anlage begannen doch erst viel später“, sagt Böhme. Ausschließen kann man aber in dieser Region nichts.

Sicher ist, dass die Baustelle 1939 unter Wasser stand. Es soll über mehrere Wochen versucht worden sein, das Objekt mit Pumpen zu retten, aber der Wassereinbruch war wohl zu stark. Bemerkenswert ist, dass in dieser Zeit in Mühlberg der Spring sehr wenig Wasser spendete. Ob es einen Zusammenhang gab, ist aber unklar.

Nach dem Krieg wurde das Objekt als „Bergbad“ bekannt. Es war nie offizielle Badestelle, aber wegen des klaren Wassers sehr beliebt. Wegen einiger (auch tödlicher) Unfälle wurde 1959 das Baden verboten – und nach 1960 das Areal ganz zugeschüttet. Zeitweilig war dort eine Mülldeponie, heute steht dort eine Kleingartenanlage.

Wie es dort um 1939 (nach dem Wassereinbruch) ausgesehen hat, kann man jetzt dankMatthias Grimm im Dokumentationszentrum des Jonastal-Vereins besichtigen und sich erklären lassen.

Vielleicht hat aber der eine oder andere Besucher  auch noch eine eigene Version zur Geschichte des „Amtes 800“ am Eulenberg beizusteuern. Denn manches in dieser Gegend wird wohl nie völlig aufzuklären sein.

Und das lässt immer viel Platz für Interpretationen.

2 Gedanken zu „Amt 800“

  1. Die Atomwaffenforschung sollte nicht ausser acht gelassen werden. Zudem koennte es eine Art Cern Anlage wie sie bei Genf realisiert wurde, im Gebiet Ohrdruf/ Jonastal/ Arnstadt existieren. Natuerlich in einem kleinerem Massstab. Dazu gibt es oder gab es eine Versuchsanlage in Frankreich im Raum Paris. Die Deutschen haben so eine Anlage vergroessert aufgebaut. Es gibt also noch weit mehr Tunnel/ Anlagen und Hallen die bekannt sind, aber nicht der breiten Oeffentlichkeit. Wer Amt 9 findet, soll alle Fragen beantwortet bekommen. Ist das Bergbad Arnstadt nur ein Bad gewesen oder war es eine perfekte Tarnung? Und man hat die Flutung inszeniert? In den USA gibt es ein Hotel das Regierungsbehoerden im Krisenfall unterbringen sollte. Die wenigsten Ahnten, das beim Bau des Hotels Bunker eingeplant wurden und Besucher liefen ahnungslos am Eingang vorbei….Wurde das Amt 800 nicht doch fertig? Wer untersucht schon ein vollgelaufenes Fundament? Man sollte unentdeckte Untertagewerke aus dieser Zeit nicht ohne entsprechenden Schutz betreten. Man erinnere sich an den im Erdreich versunkenen russischen Panzer auf dem TruppUe Ohrdruf. Nach dem mehrere russische Soldaten in das Loch gingen um dem Gang zu Folgen. Sie kamen ums Leben. Merkwuerdig ist auch, das die Grenze des Standorrtuebungsplatzes Ohrdruf in Richtung Jonastal verschoben worden ist. Merkwuerdig ist auch, das viele Akten die das Thema TruppUe Ohrdruf behandeln verschlossen sind. Zb in den USA. Ist das Amt 800 wohin verlegt worden, wenn das Bergbad tatsaechlich abgesoffen ist? Man sollte auch den Steigerwald in Erfurt im Auge behalten, weil dort noch Bunker sind, die nie betreten wurden. Manche wurden von DDR Behoerden weiter genutzt. Man koennte mit Drohnen die Gebiete westlich von Arnstadt ueberfliegen mit moderner Technik. Ich bin sicher, das die Radarbilder vieles aufzeigen koennten.

  2. Lieber Herr Brinkmann,
    Ich teile nicht alle ihre Vermutungen – ein CERN im Jonastal etwa 70 Jahre vor dem bei Genf wäre wohl zu schön um wahr zu sein. Aber ich teile Ihr Bedürfnis nach Aufklärung. Es wird Zeit, dass sich die Wissenschaft endlich ernsthaft dieses Themas annimmt.

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