Platz da

MarktArnstadt hat viele schöne Plätze, aber auch einige, die durchaus noch schöner werden könnten oder ihre eigentliche Bestimmung noch nicht gefunden haben. Zu den schönsten zählt sicher der Marktplatz. Trotzdem soll er jetzt saniert werden.
Warum eigentlich?

Die schönsten Ecken Arnstadts sind dreieckig. Zwei davon liegen unmittelbar nebeneinander, direkt an der Oberkirche. Das eine Plätzchen heißt Pfarrhof, das andere gar nicht oder nur nach der daran vorbeiführenden Kirchgasse. Beide strahlen eine Ruhe und Gelassenheit aus, die man in Städten selten findet. Dazu gibts Wasser, Bäume, Architektur und jede Menge Geschichte, wenn man mag. Vielleicht kann man Arnstadt an diesen Orten am nächsten kommen. 

Es gibt aber auch Plätze, die stehen nur so rum und warten darauf, dass etwas mit ihnen passiert.  Der Platz im Ostviertel gegenüber dem Gymnasium, wo früher die „Völkerfreundschaft“ stand, ist so einer. Jahrelang wurde diskutiert, was man mit dieser Brache Schönes machen könnte. Es gab Einwohnerbefragungen und Workshops, an Ideen war kein Mangel. Am Ende aber wurde das Problem überraschend einfach gelöst: Auf dem Platz wird gerade ein neuer Supermarkt gebaut. Nun fragt wahrscheinlich nie wieder jemand, was man mit dem Platz machen könnte. Er ist einfach weg. 

Oder nehmen wir den kleinen Platz unterhalb der Geschwister-Scholl-Schule am Arnsberg. Der ist zwar auch dreieckig, aber das wars dann auch schon. Die einzige Idee, die man bisher hatte, war, ihn „Platz der Versöhnung“ zu taufen. Seitdem kann man sich dort wunderbar versöhnen. Nur nicht mit dem Platz.

Ein besonderer Fall  ist der Theaterplatz. Dessen Bestimmung schien nach dem Abebben der Wende-Demonstrationen irgendwie verlorengegangen zu sein, weder die Wiederbelebung des Theaters noch die Errichtung des S-Bahnhof-ähnlichen  Theatercafés vermochten ihm wieder einen Sinn zu geben. Gelegentlich wurde Anfang Mai dort noch sozialdemokratisch Bier getrunken, aber sonst versuchte man üblicherweise, den Platz möglichst schnell zu überqueren. Zum Verweilen lud da nichts ein. Die Arnstädter nahmen es gelassen, schließlich ist ein passabler Schlossgarten drumherum. Als vor einiger Zeit plötzlich Baumaßnahmen am Theaterplatz begannen, waren deshalb viele überrascht. Aber es wird tatsächlich etwas verändert, sogar mit Brunnen und so.  Mal sehen, was es wird. Und ob es was wird. 

Auch mit dem Ried ist es so eine Sache. Eigentlich kann man nicht meckern, die beiden Türme sehen imposant aus, es gibt ein hübsches Glockenspiel, einen schönen Brunnen und alle Häuser ringsum sind endlich fertig saniert. Trotzdem wartet der Platz noch darauf, dass er einer wird.  Die vielen parkenden Autos passen nicht so recht ins Bild, aber ganz ohne sieht es wohl ziemlich leer aus. Ganz davon abgesehen, dass Parkmöglichkeiten in Arnstadt ziemlich rar sind.  Es brauchte schon eine richtige Idee für den Riedplatz. Aber die scheint nicht in Sicht. 

Es gibt also genug Sanierungsbedarf auf Arnstadts Plätzen.  Aber saniert werden soll nun ausgerechnet ein Platz, der auf dem ersten Blick gar keine Sanierung nötig hat: der Markt. Ein perfekt dreieckiges Ensemble mit einer perfekten Sichtachse vom Bachdenkmal zur Bachkirche, einem leuchtenden Rathaus und fast demütig wirkenden Bürgerhäusern gegenüber, mit Linden, die Schatten spenden und sogar Einkehrmöglichkeiten, von denen man in Arnstadt immer weniger findet. Zwar halten einige die Aufstellung der Stände am Markttag für verbesserungswürdig, darüber kann man diskutieren.  Aber sonst ist er ein hervorragender Platz, um Touristen von den Qualitäten Arnstadts zu überzeugen oder den Einheimischen ins Gedächtnis zu rufen: Scheene isses hier.

Trotzdem wird seit Monaten von seiner Umgestaltung gesprochen. Die „Marktsanierung“ geistert seit der Debatte über die Bewerbung zur Landesgartenschau 2028 durch alle Reden des Bürgermeisters, seit der kürzlichen Verabschiedung des Haushalts scheint sie nun in greifbare Nähe zu rücken. Auch wenn noch niemand außerhalb des Rathauses eine Ahnung hat, wie und was auf dem Markt eigentlich saniert werden soll.

Klar ist nur:  Der Bismarckbrunnen soll dort irgendwie untergebracht werden.  Er stand bis zum zweiten Weltkrieg schon mal da, allerdings an einer Stelle, wo er heute nicht mehr hinpasst: nahe der Engstelle zwischen Rathaus und Galerie. Dort würde er heute die tolle Sichtbeziehung zwischen Bach und seiner Kirche unterbrechen, da sind sich alle einig. Und das Bachdenkmal war zwar um seine Aufstellung 1985 ziemlich umstritten, aber heute will es keiner mehr missen. Und zwar genau an der Stelle, wo es steht.

Probeaufstellung des Bismarckbrunnens  im Oktober 2013

Also muss der Bismarckbrunnen woanders hin. Die Debatte über den neuen Standort währt schon Jahrzehnte, aber am Ende führte sie nach einer Bürgerbefragung zu einem Stadtratsbeschluss, wonach der Bismarckbrunnen am spitzen Marktende aufgestellt werden soll. Etwa da, wo jetzt die Litfaßsäule steht. Die müsste dann natürlich weg. Wohin auch immer.

Der Beschluss war ein Kompromiss, denn nach wie vor ist die Arnstädter Öffentlichkeit hinsichtlich des Brunnens gespalten. Wobei es nach meiner Beobachtung weniger der Brunnen ist, der spaltet, es geht wohl mehr um den Namensgeber und die Reichs-Idee, die der Brunnen transportiert. Aber das wird nicht so deutlich gesagt, was die Sache noch schwieriger macht. 

Ein weiteres Problem bei der  Marktsanierung sind die Linden. Das sind nicht einfach Bäume, die Schatten spenden, sondern für einen Teil der Einwohnerschaft sind es heilige Kühe. Wer auch nur einer der Marktlinden ein Haar krümmen will, muss mit erbitterten Widerstand rechnen.  Das zeigte sich 2011, beim vorerst letzten Versuch, den Markt zu sanieren. Und ich ahne, das es bei einer aktuellen Neugestaltung des Marktes nicht ohne Fällungen abgehen dürfte, gerade in der Ecke, wo der Bismarckbrunnen hin soll.

Es ist also reichlich Ideologie im Spiel, wenn man am Markt etwas verändern will. Hinzu kommt: Auch die äußeren Bedingungen haben sich geändert. Die Preise für Buntmetall haben sich enorm nach oben entwickelt, die Metalldiebe werden deshalb immer dreister. Und der Bismarckbrunnen besteht nun mal aus sehr viel Buntmetall. Ein sachlicher Grund, noch einmal darüber nachzudenken, ob seine Aufstellung im ungeschützten öffentlichen Raum wirklich eine so gute Idee ist. 

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin unbedingt dafür, den Brunnen wieder aufzustellen. Er gehört schon wegen seiner wechselvollen Geschichte zu Arnstadt. Und eine Debatte darüber, ob er nun hässlich ist oder schön, kann Arnstadt und seinem Tourismus nur gut tun – siehe Bachdenkmal.  Aber man sollte sich mit dem zeitlichen Abstand zur letzten Debatte schon noch einmal die Frage stellen, ob er wirklich auf den Markt gehört, wenn er schon nicht da stehen kann, wo er einst stand.  Es ist schließlich in Arnstadt genug Platz da, um ihn zu präsentieren. Vielleicht auf einem Plätzchen, das man abends abschließen kann, um es Metalldieben nicht ganz so einfach zu machen. Spontan fällt mir da der schöne Garten des Schlossmuseums ein, der auch noch auf eine richtige Nutzungsidee wartet. Aber es gibt sicher noch andere Ideen.

Ich bin jedenfalls gespannt, welche Sanierungsvorschläge der Bürgermeister für den Markt macht – und wie sich die Debatte darüber entwickelt. Denn für diesen Platz braucht man eigentlich keine neuen Nutzungsideen, sondern man sollte ihm erlauben, seinen Charakter zu bewahren. Nicht als  gute Stube, sondern eher als Wohnküche, wo man sich trifft, tratscht und zusammen feiert. 

Und falls noch Ideen übrig sind. es ist in Arnstadt genug Platz da, um sie zu verwirklichen. Es muss ja nicht auf dem Markt sein.

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