Ist in der kommenden Marktsanierung neben dem Aus für die alten Linden noch ein weiteres Kuckucksei versteckt? Das wollen wir doch nicht hoffen. Und sicher wird in der Stadtratssitzung, in der die grundsätzlichen Beschlüsse dazu gefasst werden, die ganze Sache aufgeklärt. Denn dass für die Anwohner (nicht nur des Marktes) eine versteckte Abnahmepflicht für Fernwärme drohen könnte, wäre ein starkes Stück.
Bevor morgen (29. Januar) der Stadtrat den endgültigen Startschuss für die umstrittene Marktsanierung gibt, steht ein anderer Tagesordnungspunkt an, der die zukünftigen Debatten in der Stadt maßgeblich bestimmen dürfte: die kommunale Wärmeplanung. Dort werden Gebiete ausgewiesen, in denen die Häuser in Zukunft mit Fernwärme beheizt werden sollen. Dazu gehören die Plattenbau-Viertel im Osten und Westen, aber auch einige Straßen um den Bahnhof und in der Stadt. Dass man eine solche Planung beschließt, ist eine Auflage der Bundesregierung. Rechtlich ist davon zunächst nichts verbindlich, erst wenn der Stadtrat irgendwann Satzungen dazu erlässt, wird es ernst für die Hausbesitzer: sie müssen dann ihre Heizungen stilllegen und auf Fernwärme umsteigen.
Dazu wird es künftig sicher noch viele Debatten geben, denn Fernwärme ist an sich eine gute Sache, weil sie effektiver und umweltfreundlicher ist. Aber es sind einige Haken dabei: Als Fernwärme-Abnehmer bindet man sich an einen Monopolisten, in diesem Fall die Stadtwerke. Der entscheidet am Ende über den Preis, ohne dass der Abnehmer Alternativen hätte. Und die Umrüstung im eigenen Haus ist aufwändig. Es wird also eine Geldfrage sein, ob die Fernwärme-Versorgung bei den Abnehmern auf offene Ohren trifft oder nicht.
Aber das könnte ein Thema für die fernere Zukunft sein, wäre da nicht ein Offener Brief der IG Schattenspender Arnstadt. In diesem Brief, der jetzt an alle Stadträte ging, werden neben den bekannten Argumenten gegen die Fällung der Markt-Linden zwei neue Fakten ins Feld geführt, die aufhorchen lassen. Da ist zunächst die Behauptung, dass doch nicht alle Leitungen erneuert werden, die unter dem Markt liegen: Die alte Gasleitung soll drinbleiben. Nun habe ich keine Ahnung, wie das technisch zu bewerten ist, aber komisch wäre das schon, wenn es stimmt. Und in dem Brief steht noch ein Satz, der aufhorchen lässt. Bezüglich des Anschlusses an das zu verlegende Fernwärmenetz auf dem Markt lägen den Anwohnern Angebote vor, „die aufgrund extrem hoher Anschlusskosten wirtschaftlich unzumutbar sind“.
Das wirft Fragen auf. Ist etwa die Umstellung auf Fernwärme auf dem Markt nicht nur in Vorbereitung, sondern schon im Gange? Und soll dadurch, dass man die alte Gasleitung nicht austauscht, vielleicht ein bisschen Druck auf die Anwohner ausgeübt werden? Und wie soll der Umstellungsprozess auf Fernwärme überhaupt organisiert werden? Wird es im Betrieb billiger für die Anwohner, nicht nur auf dem Markt? Und wenn die Umstellungskosten so hoch sind, gibt es vielleicht Fördermittel oder andere Unterstützung?
Das sind Fragen, auf die Stadträte und Bürger eine Antwort verdienen, bevor zuerst die kommunale Wärmeplanung und dann die Marktsanierung am Donnerstag im Stadtrat beschlossen werden. Denn selbst, wenn sich die meisten Stadträte (und Arnstädter) mit der Markt-Totalsanierung und der damit verbundenen Lindenfällung irgendwie abgefunden haben sollten, braucht die Stadt jetzt nicht noch so ein Thema, das die Gemüter über Gebühr erhitzt. Die Fernwärmeplanung darf nicht ebenso vernuschelt geplant werden wie der Markt, wo man mit der Wahrheit nur scheibchenweise herausrückte. Und die Stadträte müssen ihrer Aufsichts- und Kontrollpflicht über das, was die Stadt beschäftigt, deutlich besser genügen als bisher. Am Donnerstag ist Gelegenheit dazu.
Verschieben kann man die Abstimmung übrigens nicht, denn der Korridor zur Lindenfällung ist schmal, ab März sind solche Eingriffe vom Naturschutz verboten. Und die nächste Stadtratssitzung findet laut Kalender erst Ende März statt.
Weitere Beiträge zur Marktsanierung:
Bäume, Bach und Bismarck (2010)
Platz da (2022)
Mein Markt – ein Abgesang (2023)
Schwierige Marktlage (Oktober 2025)
Ruhige Marktdebatte (November 2025)