Mit 20 Ja- und fünf Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen hat der Stadtrat der geplanten Marktsanierung zugestimmt. Nun können die Linden gefällt werden und die Bagger rollen, auch wenn es nach wie vor nicht allen gefällt.
So sah der Arnstädter Marktplatz 1740 aus, dokumentiert im Arnstädter Stadtmodell im Gärtnerhäuschen. Ein Brunnen, der damals noch nichts mit Bismarck zu tun hatte, zwei kleine Bäume, kein Bach. Spätestens in vier Wochen soll er wieder ähnlich aussehen: ganz ohne Bäume, noch nicht wieder mit Brunnen, nur mit Bach. Und etwa ab Juni soll sich das vollziehen, was zur Freude der einen und zum Kummer der anderen seit nunmehr 14 Jahren unter dem Arbeitstitel „Marktsanierung“ geplant und diskutiert wird.
Das Votum des Stadtrats war deutlich, auch wenn es in fast allen Fraktionen Abweichler von der jeweiligen Fraktionsmeinung gab: Es soll gebaut werden, trotz aller Bedenken und Proteste.
Für die Stadtverwaltung ist das ein klarer Auftrag – und eine große Bürde. Denn nun gilt es zu beweisen, dass der als neuer, schöner und zweckmäßiger gepriesene Entwurf auch in der Umsetzung nicht nur neuer, sondern auch schöner und zweckmäßiger ist. Die Hürde ist hoch, denn der Markt war so, wie er sich jetzt darstellt, wirklich schön, auch wenn einiges vielleicht so unvollkommen daherkam wie vieles in Arnstadt. Er ist unverwechselbar. Die Gefahr ist groß, dass er hinterher so aussieht wie der Hauptmarkt in Gotha oder ein Kirchplatz in Nordhausen, den man gerade sanieren will. Vielleicht passt der Bismarckbrunnen wirklich nicht auf diesen Platz. Aber vielleicht ist es auch so wie beim Bach-Denkmal, das 1985 keiner in Arnstadt haben wollte und heute keiner missen will. Man sollte dem Projekt, da es nun einmal beschlossen ist, eine Chance geben, auch wenn man es gegenwärtig nicht gut findet.
Das gilt auch für jene, die bis zuletzt für den Erhalt der alten Linden gekämpft haben. Mit heißem Herzen, aber nicht immer mit kühlem Verstand und lauteren Mitteln. Besonders die jüngste Nummer mit dem offenen Brief an alle Stadträte war grenzwertig, dort wurden über Gas- und Fernwärmeleitungen Behauptungen verbreitet, die in der entscheidenden Stadtratssitzung glaubhaft entkräftet wurden (auch hier gab es einen Beitrag über diesen Brief). Das entspricht nicht dem Stil, in der solche Debatten geführt werden sollten. Und überhaupt: Demokratie lebt davon, dass die Mehrheit entscheidet. Und dass man sich als Minderheit dieser Entscheidung fügt, auch wenn man sie nicht richtig findet. Das sollte man von erwachsenen Menschen verlangen können.
Was die Debatte noch gezeigt hat: Die Stadtverwaltung muss dringend an ihrer Bürgernähe arbeiten. Alexander Dill, der als Bürgermeister selbst so manches falsch gemacht hat, fasste es in der Diskussion im Stadtrat so zusammen: „Im Rahmen der weiteren Beteiligung hat die Verwaltung Proteste und Wünsche zwar regelmäßig zur Kenntnis genommen. Eine Abwägung oder Änderung, ein Interessenausgleich hat jedoch nicht stattgefunden.“ Das gilt übrigens auch für die Schlossstraße und weitere Projekte, die in der Stadt das Etikett „Bürgerbeteiligung“ aufgeklebt bekamen.
Es bleibt also für alle einiges zu lernen aus der aufgeregten ewig langen Marktdebatte. Vielleicht auch: Man sollte weniger hyperventilieren und etwas mehr zuhören. Denn was mir an der Sache gefallen hat: So gut wie alle auf den unterschiedlichen Seiten wollten nur das Beste für die Stadt, auch wenn es nicht das Gleiche war. Und das ist doch eine schöne Erkenntnis.
Weitere Beiträge zur Marktsanierung:
Bäume, Bach und Bismarck (2010)
Bürgerbefragung BIsmarckbrunnen (2016)
Platz da (2022)
Mein Markt – ein Abgesang (2023)
Schwierige Marktlage (Oktober 2025)
Ruhige Marktdebatte (November 2025)
Der Markt und die Fernwärme (Januar 2026)
Schaltet den NABU ein da im Juni keine Bäume gefällt werden dürfen ( Vogelschutz).
Das wird schon bedacht. Die Bäume sollen bis Ende Februar gefällt sein, ab Juni wird dann gebaut.
„… aber nicht immer … mit lauteren Mitteln“…“dort wurden über Gas- und Fernwärmeleitungen Behauptungen verbreitet, die in der entscheidenden Stadtratssitzung glaubhaft entkräftet wurden“
Es ist ja im Rahmen dieser Diskussion auch viel über Transparenz diskutiert worden. Sie Herr Pfeiffer sehen jetzt ausgerechnet bei denen, die die Baumfällungen ablehnen „Kommunikationsmängel“. Das ist SO nicht richtig und inwieweit hier etwas „glaubhaft entkräftet“ wurde, kann ich mangels Anwesenheit und entsprechender Berichterstattung nicht beurteilen.
Das Thema „Gasleitungen werden erhalten und um sie herum gebaut“ hat die Verwaltung am 23. Januar 2026(!) in die Diskussion eingebracht, als Argument dafür, dass bei diesem Bauvorhaben eine ungewöhnlich breite Trasse, der die Bäume im Weg sind oder die zu breit ist, um die Bäume bzw.deren Wurzelbereich zu schonen, zu begründen.
Das ist zunächst auffällig und wiederspricht sowohl dem bis heute auf der Website der Stadt Arnstadt im Netz stehenden Text der Beschlussvorlage zu diesem Vorhaben, in der es auf Seite 2 heißt: „SÄMTLICHE Leitungen, Hausanschlüssen und Versorgungssysteme müssen erneuert werden.“ Das schließt ja wohl Gas mit ein.
Pro Arnstadt hat am 10. November 2025, also unlängst, ein Statement veröffentlicht „Unsere Auffassung zur notwendigen Marktsanierung“, darin heißt es „16 Fakten, die zeigen, dass die Marktsanierung dringend notwendig ist und die vorhandenen Bäume nicht erhalten werden können:
1. Die Ver- und Entsorgungsleitungen im Bereich des Marktplatzes sind verschlissen und müssen zudem ergänzt werden (Stichwort Fernwärme). Es handelt sich um die Abwasserleitung, Wasserleitung, Gasleitung(!!!), Stromleitungen, Kabel für Straßenbeleuchtung, Glasfaserleitungen, Leistungen für die Marktversorgung, Leitungen für die Brunnenversorgung (Wasser und Strom), Leitungen für die Baumbewässerung u.w.“
Auch in den 5 Jahren, in denen ich im Stadtrat saß, hieß es regelmäßig, der Markt müsse dringend erneuert werden, alle Leitungen marode seien.
Die Frage bleibt also, wer hat hier wen an der Nase herum geführt? WIE konnte durchgängig bis 23. Januar 2026 bei allen Beteiligten – Bürgerinnen und Bürgern, Fraktionen, auch den Erstellen der Beschlussvorlage – der Eindruck entstehen, dass das auch für die Gasleitung gilt? Und nun plötzlich nicht mehr gelten soll?
https://proarnstadt.de/allgemein/unsere-auffassung-zur-notwendigen-marktsanierung/
Ich bin kein Bauingenieur. Aber das Argument, dass hinter dem Nichtaustausch der Gasleitung eine böse Absicht steckt, halte ich für widerlegt.